Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge
Sektionen
Sie sind hier: Startseite News „Was ist los im Heiligen Land?“

„Was ist los im Heiligen Land?“

AKADEMIE Oberkirchenrat Jens Nieper zu Gast in Recklinghausen

„Was ist los im Heiligen Land?“

Oberkirchenrat Jens Nieper bei seinem Vortrag in der Evangelischen Akademie Recklinghausen.

RECKLINGHAUSEN – Um die Situation in Israel und Palästina ging es in einer Veranstaltung der Evangelischen Akademie Recklinghausen im Haus des Kirchenkreises. Dazu hatten die Verantwortlichen mit Oberkirchenrat Jens Nieper von der Evangelischen in Deutschland (EKD) in Hannover einen äußerst fachkundigen und kompetenten Referenten eingeladen. Bei der EKD ist Nieper Referent für den nahen und mittleren Osten und für die Weltökumene. Rund 60 Besucherinnen und Besucher waren gekommen, um den Ausführungen des ehemaligen Vikars und Pfarrers im Entsendungsdienst in Haltern am See zu folgen.

In seinem Vortrag machte Oberkirchenrat Nieper deutlich, dass das Heilige Land mit seinen Orten, an denen Jesus gewirkt hat, für die christlichen Kirchen eine wichtige Bedeutung hat. Orte wie das Jordantal, Jericho oder der Ölberg verweisen auf alte Prophezeiungen des jüdischen Volkes. Das Land ist Interpretations- und Verstehenshilfe für das Evangelium.

Der Bezug zum Heiligen Land ist nach den Kreuzzügen verloren gegangen und wurde erst in der Preußenzeit wieder entdeckt. Es gab deutsche Gemeindegründungen in Jerusalem, starkes diakonisches Engagement und die Entstehung der christlichen Archäologie. Seit 1959 gibt es die ELCJHL (Evangelisch-Lutherische Kirche in Jerusalem und im Heiligen Land), eine palästinensische Kirche, die sehr aktiv in der Schularbeit ist.

Die Beziehungen der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Heiligen Land sind historisch verortet: 160 Jahre evangelisches Engagement sind bis heute in Einrichtungen z.B. Schulen sichtbar; das bedeutet auch eine Verantwortung bis heute. Die EKD sieht auch eine politisch-soziale Verantwortung; insbesondere seit der Besatzung der Westbank im Jahr 1967. Dort steht man in einem Dilemma der Mitverantwortung gegenüber den Palästinensern auf der einen und gegenüber Israel auf der anderen Seite.

Das Verhältnis zum Judentum ist geprägt durch die Shoa, denn christlicher Antisemitismus hat auch die Shoa mitverursacht. Hier gibt es eine besondere Verantwortung des christlich-jüdischen Dialogs. Dabei ist zu bedenken und zu akzeptieren, dass das Land im jüdischen Glauben eine besondere Bedeutung hat. Die sensible politische Frage, die sich aus der Verantwortung gegenüber der deutschen Geschichte ergibt, braucht auch eine besondere Aufmerksamkeit und Sensibilität gegenüber dem Staat Israel.

Die EKD versteht sich als Brückenbauerin und versucht, unter den derzeitigen Bedingungen Verbindungen und Gespräch zu schaffen. Sie gibt Hinweise an die deutsche Politik und ist sich bewusst, dass auf beiden Seiten Recht und Unrecht zugleich zu finden sind.

Sehr eindrücklich wies Jens Nieper auf die andauernden und alltäglichen Schikanen hin, die die Palästinenser erfahren, wie die Folgen des Mauerbaus oder die Einschränkungen der Arbeitsmöglichkeiten usw.. Wo auch immer Unrecht geschehe, muss das Unrecht auch benannt werden. In der Aussprache zum Vortrag von Oberkirchenrat Nieper wurde deutlich, wie schwierig es ist, sich in der jetzigen Situation zu orientieren und Stellung zu beziehen.

Nieper machte deutlich, dass das Heilige Land die besondere Aufmerksamkeit der Kirche erfordert. In der aktuellen Situation könnte eine „Zwei-Staaten-Lösung“ zunächst einmal eine Beruhigung der Situation bedeuten, die es danach ermöglichen könnte, wieder aufeinander zuzugehen. Ansätze gibt es dort, wo es um „Querschnitt-Solidarität“ (ein Begriff von Viola und Mitri Raheb) geht. Hier geht es um eine Solidarität derer, die gewaltlos handeln wollen, den Ausgleich suchen und Frieden und Versöhnung zum Ziel haben. Diese Bewegung gilt es zu stärken.

Die Evangelische Akademie Recklinghausen will das Thema „Israel/Palästina“ weiterhin im Blick behalten.
Text und Foto: PB

Artikelaktionen
  • Versenden
  • Drucken