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ViertelSternstunde im Advent

Erstellt am 14.11.2019

RECKLINGHAUSEN. Die Adventszeit naht. Nicht mehr lange, dann tobt rund um die katholische St. Peter Propsteikirche im Zentrum Recklinghausens wieder das Leben im Glühwein-, Waren- und Lichterrausch.

Mit ihren dicken Grundmauern und fünf Gewölben hat die Kirche die Aura einer großen ehrwürdigen Halle mit Platz für 500 Menschen. Viele Menschen aus unterschiedlichen Zeiten haben daran gebaut. Im jüngsten Teil der Kirche, über dem Chor im Altarraum, befindet sich ein kleines Sternengewölbe.

Ein anderer Ort, der etwas von einer anderen Zeit und einem anderen Lebensrhythmus atmet. Sobald man über die Schwelle tritt und die Tür zuklappt, ist der Lärm draußen nur noch als Grundsummen wahrnehmbar. Der Blick fällt auf die Kerzen, die Menschen an den Stufen zum Chor tagsüber in der offenen Kirche angezündet haben.

Doch diesmal wird etwas anders sein - den Menschen draußen, auf dem Weihnachtsmarkt, wird er begegnen: drei Meter hoch, ganz in weiß - unübersehbar. Einer, der für Aufsehen sorgt. Der Groß und Klein animiert, den Blick zu heben und zu weiten. Der in der einen Hand einen leuchtenden Weihnachtsstern tragen wird als Zeichen für den Advent. In der anderen Hand eine in lila Seide gehüllte Bibel. Er hat etwas zu verkünden: „Hört, hört …!“ Er trägt eine Wollkappe, aber keine Flügel. Ist es ein Bote? Oder ein Engel? Schwer zu sagen. Es geht etwas Geheimnisvolles von ihm aus, etwas Besonderes, Einzigartiges.

Und er hat nur ein Ziel: er möchte die Menschen einladen. Zu einem besonderen Ereignis, voller Zauber und Überraschungen: zur ViertelSternStunde in der St. Peter Propsteikirche.

Der karge Raum lädt ein, selbst innerlich karg, leer zu werden - und sich dann neu füllen zu lassen von Licht, Stimme und Musik. Es ist die Verheißung des Advent, der er folgt. Ein Freiraum, der geöffnet werden kann wie die Tür eines Adventskalenders, um dann neu gefüllt zu werden.

Der Bote nimmt die Menschen mit hinein und kündigt an: „Zeit für die ViertelSternStunde.“ Schlicht und einfach. Nur eine Viertelstunde, zum Motto eines biblischen Leitworts.

Zeit zur Begegnung mit der eigenen Sehnsucht im Advent - mitten im Weihnachtsmarkt draußen.
Zeit für eine kleine Geschichte mittendrin - jeden Abend eine andere.
Zeit für ein Gebet - immer das gleiche Gebet, um ankommen zu können, um in den Zauber des Advents hineinzufinden und einzutauchen, um neugierig, erwartungsvoll zu werden.
Zeit für zwei Adventslieder - immer die gleichen bekannten, damit das Mitsingen einfach ist.
Zeit für eine kleine feine Musik zwischendurch - auch mit unerwarteten und ungewohnten Tönen.
Und selbstverständlich: Zeit für den Segen zum Abschluss - wenn gewünscht, gerne danach auch persönlich.

Es braucht Zeit, damit die Seelen sich einstellen können auf das, was sie brauchen.

Diesmal wird es anders auf dem Weihnachtsmarkt. Und auch in der alten St. Propsteikirche. Denn der Bote ist nicht allein, wenn er die Menschen zur ViertelSternStunde ruft. Bei seinem Vorhaben begleiten ihn andere. Denn jeden Abend, immer montags bis freitags von 17 Uhr bis 17:15 Uhr, wird dort jemand eine andere Geschichte vorlesen. Eine andere Person wird für den liturgischen Ablauf der ViertelSternStunde sorgen. Wieder eine andere für die Musik. Weil jeder Tag seine Botschaft hat, jeder Abend seinen Klang, jede Nacht ihren Stern.

Viel ist zu erwarten. Viele verschiedene Kräfte geben jeweils in anderer Zusammensetzung dem reduzierten Format der ViertelSternStunde seine Ordnung und Struktur. Wer spricht, lernt hier, noch mal anders zu sprechen, denn hier wird es anders als draußen sein: Hier bahnt die Sehnsucht im Lichtertrubel, in Lärm und Hektik draußen, dem Geheimnis Gottes einen Weg. GH