Eröffnung „Die Bibliothek der geretteten Erinnerungen"

Centropa Wanderausstellung im Kreis Recklinghausen zu sehen

Waren bei der Ausstellungseröffnung dabei: (v.l.) Fabian Rühle (Centropa), Schulreferentin Petra Sinemus, Klaus Jansen (kath. Schulseelsorger), Superintendentin Saskia Karpenstein (Recklinghausen), Superintendent Steffen Riesenberg (Gladbeck-Bottrop-Dosten)

 

Recklinghausen. Im Rahmen der Feierlichkeiten zu 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland ist am Freitag, den 17. September die Centropa Wanderausstellung „Die Bibliothek der geretteten Erinnerungen” in der Propsteikirche St. Peter in Recklinghausen eröffnet worden. Es fanden sich Lehrerinnen und Lehrer, Schulleiter, Gemeindeglieder und Vertreterinnen aus den beiden gastgebenden Evangelischen Kirchenkreisen Gladbeck-Bottrop-Dorsten und Recklinghausen ein. So gehörten zu den ersten Besuchern Superintendentin Saskia Karpenstein und Superintendent Steffen Riesenberg.

Zur Ausstellungseröffnung angereist ist der Geschäftsführer von Centropa Hamburg, Fabian Rühle. Centropa hat es sich zur Aufgabe gemacht, Interviews mit Überlebenden zu führen und so aus 15 Ländern Europas die Geschichten jüdischer Familien zusammengetragen. „Wichtig ist es für uns, nicht den Holocaust ins Zentrum zu stellen, sondern jüdisches Leben in Europa, Familien und ihre Geschichten aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg bis zum 2. Weltkrieg“, so Rühle.

Von den mehr als 100 Exponaten, die zum ersten Mal 2009 in Linz gezeigt wurden, kommen in Recklinghausen aus Platzmangel rund 50 zum Einsatz. Die Ausstellung ist bilingual (deutsch-englisch) und berichtet aus der Perspektive der Centropa-Interviewpartner über die Bereiche Gemeindeleben, Freizeit, Urlaub, Armee, Schulleben, Berufstätigkeit und den Holocaust. Sie ist in drei geographische Kategorien unterteilt: Mitteleuropa, Balkan und Länder der ehemaligen Sowjetunion. Zu jeder vorgestellten Person sind auf der Website von Centropa (www.centropa.org/de/exhibition/linz-exhibition) Interviews, Fotos und Hintergrundinformationen hinterlegt.

Schulreferentin Petra Sinemus ist sicher, dass die Besucherinnen und Besucher ein lebendiges Stück Zeitgeschichte erleben werden: „Wir wollen jüdisches Leben sichtbar und greifbar machen und damit auch den Ressentiments, die immer noch in unserem Alltag gegenwärtig sind, entgegentreten.” Angesichts des aktuellen Bezuges des geplanten Anschlages auf die Synagoge in Hagen, unterstrich Petra Sinemus noch einmal die Bedeutung für die Schule. Zusätzlich zu den Fotos, die auf Roll-ups gedruckt sind, gibt es Gegenstände aus dem Judentum zu sehen wie Gebetsschals, Gebetsriemen, Mesusa oder auch eine kleine Tora-Rolle. Über QR Codes können zudem Filme mit Gesprächen mit Hinterbliebenen abgerufen werden.

Zum ersten Mal ist die Ausstellung in einer Kirche zu sehen. Dies schafft eine besondere Atmosphäre, die durch die musikalische Gestaltung von Kirchenmusikdirektorin Elke Cernysev an der Orgel unterstrichen wurde. Die Ausstellung wird an vier verschiedenen Orten im Gestaltungsraum gezeigt. Klaus Jansen vom Kath. Kreisdekanat, begrüßte als Vertreter der Gemeinde und freut sich auf viele Schulklassen, andere Gruppen und Gemeindemitglieder, die sich über das vielschichtige Judentum informieren möchten.

Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos. Da die Kirche ganztägig geöffnet hat, ist eine Besichtigung vom 17. September bis 24. September jederzeit möglich. Schulklassen oder andere Gruppen, die eine Führung wünschen, melden sich bitte beim Ev. Schulreferat telefonisch unter 02361 206-101 an. Es gelten die aktuellen Corona-Regeln. Unterstützt wird die Aktion von der Integrationsagentur NRW, der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

Wer sich im Vorfeld über die Ausstellung informieren möchte, besucht bitte die Webseite der Ausstellungsmacher von Centropa, ein internationales Team von Historikern, Filmemachern, Journalisten und Pädagogen mit Hauptsitz in Wien.

 

Die weiteren Termine:

26. Sept. – 08. Okt. 2021 – Martinszentrum, An der Martinskirche 1, 46242 Bottrop

24. Okt. – 05. Nov. 2021 – Boje, Martin-Luther-Str. 8, 45768 Marl

07. Nov. – 19. Nov. 2021 – Gemeindezentrum, Schillerstr. 3, 45739 Oer-Erkenschwick

 

Text: Petra Sinemus

Fotos: Ulrich Kamien