Kein Platz für Antisemitismus und Fremdenhass

Kreissynode tagte unter Corona-Bedingungen

Recklinghausen. Unter strengen Corona-Auflagen tagte die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen in der großen Christuskirche in Recklinghausen. Mit 2 G plus Schnelltest plus Maske trafen sich die Synodalen zu ihrer Herbsttagung. Eröffnet wurde die Kreissynode mit einem Gottesdienst, der von Pfarrerin Martina Gregory und Pfarrerin Bärbel Baucks gehalten wurde. Aufgrund der Corona-Entwicklung wurde auf Gesang verzichtet. Kirchenmusikdirektorin und Kreiskantorin Elke Cernysev vertonte die Lieder gekonnt an Orgel und Klavier. Die Synodalgemeinde konnte die Liedtexte im Gesangbuch verfolgen.  

In ihrer gemeinsamen Predigt ermutigten Gregory und Baucks die Anwesenden, Anwältinnen und Anwälte des Lebens zu sein, sich für Gottes gute Schöpfung einzusetzen und dabei mit gutem Beispiel voranzugehen. „Das machen wir nicht aus uns selbst. Die Kraft dazu nehmen wir aus dem Glauben.“ Manchmal ist der Glaube zaghaft, ängstlich und voller Zweifel. Da ist es gut, dass man nicht alleine ist.  

„Wir brauchen die Gemeinschaft. Gemeinsam ist man stärker und kann Kräfte bündeln, um etwas zum Guten zu verändern.“ Die Kollekte der Kreissynode war bestimmt für „Fridays for future“ Recklinghausen. 

Landrat Bodo Klimpel rief in seinem Grußwort zum Zusammenhalt in der Gesellschaft und zur Solidarität untereinander auf, gerade mit Blick auf die Corona-Pandemie, die alle vor große Aufgaben gestellt habe, aber auch im Eintreten gegen Antisemitismus. „Im Christentum ist kein Platz für Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit“, so Klimpel. Er rief dazu auf, Hass und Ausgrenzung nicht zu tolerieren, sondern aktiv entgegenzuwirken für ein friedvolles Miteinander. „Wir stehen für Solidarität. Vielfalt wird bei uns gelebt.“  

Recklinghausens Bürgermeister Christoph Tesche wies in seinem Grußwort auf die drohende Spaltung der Gesellschaft hin, sowohl bei Corona-Impfungen wie auch bei der Frage des Klimas. „Es gibt immer mehr Menschen, die die Meinung der anderen nicht mehr akzeptieren und tolerieren. Vertrauen schwindet, in den Staat, in die Kirche.“ Tesche warb darum, Lösungen zu suchen, die einen. Neben der Stärkung der Menschen, die noch Vertrauen haben, können dann auch die in den Blick genommen werden, die kein Vertrauen mehr haben. Kirche habe eine essentielle Bedeutung für Stadt und Land. Nur gemeinsam können Staat und Kirche die Probleme unserer Gesellschaft angehen. „Wir alle haben Verantwortung.“  

Kirche und Klima 

Schwerpunkt der Berichterstattung von der Landessynode durch Pfarrerin Barbara Seydich (Marl) und Hannelore Klippel (Kreissynodalvorstand) war die Klimaschutzstrategie 2040. Die Verantwortung für die Schöpfung sei ein unaufgebbarer Auftrag der Kirche. „Vieles ist auf den Weg gebracht und umgesetzt. Aber es ist nicht genug.“ Ziel sei die Klimaneutralität der Westfälischen Kirche bis 2040. Das Erreichen der Klimaschutzziele habe höchste Priorität. Wichtige Bausteine dazu sind die klimaneutrale Nutzung der kirchlichen Gebäude sowie die die Mobilität. Weitere Infos finden Sie unter www.kircheundklima.de

Finanzen 

In seinem ersten Bericht als Vorsitzender des kreiskirchlichen Finanzausschusses stellte Heinz Waschhof die finanzielle Entwicklung in der Landeskirche und im Kirchenkreis vor. Trotz vorsichtiger Finanzplanung sagt die Prognose für die nächsten Jahre aus, dass mit einem kontinuierlichen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen zu rechnen ist. Der Spardruck werde auf allen Ebenen unserer Kirche größer. Waschhof dankte der Verwaltung für ihre Arbeit und die Vorbereitung der Haushalte.  

Die Kreissynode beschloss den Haushalt des Kirchenkreises und des Gemeinsamen Kreiskirchenamtes sowie des Verbundes der Tageseinrichtungen für Kinder für das Haushaltsjahr 2022. Ebenfalls beschlossen wurde der Haushalt der kirchlichen Gemeinschaftsstiftung für Kirche und Diakonie „ernten und säen“.  

Die Vorsitzende des Stiftungsrats Dr. Ulrike Preuß berichtete über die Entwicklung der Stiftung im vergangenen Jahr. Die Erträge des allgemeinen „Stiftungsvermögens aus dem Jahr 2020 waren bestimmt für das Thema „Bewahrung der Schöpfung – Verantwortung für Natur, Klima, Tier und Mensch“. Es konnten Gelder an sechs Projekte ausgeschüttet werden. Der Stiftungsrat hat beschlossen, dasselbe Thema noch einmal für 2021 auszuschreiben. Entsprechende Anträge können gestellt werden. Preuß dankte den Stifterinnen und Stiftern sowie Dr. Barbara Gierull als Geschäftsführerin.  

Kirchenkreis-Verband 

Als Zwischenschritt zu einer künftigen Vereinigung bereiten die beiden Kirchenkreise Gladbeck-Bottrop-Dorsten und Recklinghausen die Gründung eines Kirchenkreis-Verbandes zum 1. Januar 2023 vor. Darin werden die gemeinsamen Aufgaben der Kirchenkreise wie die gemeinsame Verwaltung, das Schulreferat, die gemeinsame Pfarrstelle für gesellschaftliche Verantwortung sowie die gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit überführt. Ziel des Verbandes ist die intensive und verbindliche Zusammenarbeit zwischen beiden Kirchenkreisen. Eine Lenkungsgruppe und verschiedene Projektgruppen bereiten die Verbandsgründung vor. Der Superintendent des Nachbar-Kirchenkreises, Steffen Riesenberg und der Vorsitzende der Lenkungsgruppe Sascha Lipowski (Kreissynodalvorstand Recklinghausen) berichteten den Mitgliedern der Kreissynode über den Stand der Entwicklungen.  

Erklärung zu Antisemitismus 

Pfarrer Roland Wanke (Marl), kreiskirchlicher Beauftragter für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit stellte die landeskirchliche Vorlage „Antisemitismus entschieden entgegentreten“ vor. Die Kreissynode schloss sich einstimmig der Erklärung an und verurteilte jede Form von Antisemitismus. Der Kontakt zu den Jüdischen Kultusgemeinden Recklinghausen und Gelsenkirchen soll verstärkt und gemeinsame Aktivitäten geplant werden. Eigene Arbeitsfelder, die sich dem Antisemitismus entgegenstellen, sollen gestärkt und gefördert werden. „Wir stehen an der Seite der jüdischen Kultusgemeinden und jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in unseren Städten“, ist eine zentrale Aussage des Papiers.  

Seenotrettung 

Die Kreissynode beschloss zudem die regelmäßige Unterstützung der Organisation „United4Rescue“ (Gemeinsam retten e.V.). Pfarrer Christian Hüging (Datteln), kreiskirchlicher Beauftragter für Flüchtlingsarbeit warb um die Unterstützung zur Seenotrettung von Flüchtlingen. Die Kreissynode hatte im Sommer 2019, im Nachgang zum Evangelischen Kirchentag in Dortmund, die Evangelische Kirche in Deutschland gebeten, ein eigenes Rettungsschiff ins Mittelmeer zu entsenden. Seit Sommer 2020 läuft das Schiff im Mittelmeer und hat schon einige Fahrten absolviert. Daher ist es folgerichtig, sich an den Kosten dieses Schiffes zu beteiligen und der Organisation als Bündnispartner und Fördermitglied beizutreten. Mittlerweile unterstützen rund 800 kirchliche Körperschaften und Organisationen die Initiative.  

Zum Abschluss der Tagung bedankte sich Superintendentin Karpenstein bei allen Synodalen für ihr Mitwirken an dieser Kreissynode. Alle Beteiligten waren froh über den guten und gelungenen Verlauf. uka 

Foto: Jörg Eilts