11. Kirchliches Filmfestival überzeugte mit großartigen Filmen - Hygienekonzept ging voll auf

Interview mit Superintendentin Saskia Karpenstein und Julia Borries

Teilnehmer der Eröffnungsfeier

Foto v.l.n.r.: Künstlerischer Leiter Michael M. Kleinschmidt, Produzent und Kameramann Adrian Campean („Frau Stern“), Dokumentarfilmer Torsten Körner („Die Unbeugsamen”), Superintendentin Saskia Karpenstein, Pfarrer Harald Wagner, Propst Jürgen Quante, Pastoralreferent Joachim van Eickels und Julia Borries, Ev. Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Recklinghausen 

 

Vom 25. Bis 27. September 2020 fand in der Cineworld Recklinghausen das 11. Kirchliche Filmfestival statt. Nach dem das Kinospektakel im Frühjahr wegen Corona abgesagt werden musste, gab es jetzt eine Sonderedition mit sieben Filmen an drei Tagen. Darunter die Weltpremiere des Dokumentarfilms “Die Unbeugsamen” mit Regisseur und Autor Torsten Körner als Gast. Regisseur und Autor Hüseyin Tabak erhielt den mit 2000 Euro dotierten Hauptpreis für sein Drama “Gipsy Queen”. Mit dem Kinderfilmpreis “Der grüne Zweig” wurde Markus Dietrich für seinen Superheldinnenfilm “INVISBLE SUN - PLÖTZLICH UNSICHTBAR” bedacht. Erstmalig sprach die neue Superintendentin Saskia Karpenstein, die seit September im Amt für den Kirchenkreis Recklinghausen ist, das Grußwort.  

Wir haben Superintendentin Saskia Karpenstein und Julia Borries von der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis nach ihren Eindrücken vom 11. Kirchlichen Filmfestival befragt. 

Frau Borries, Sie und Ihre Kollegen vom Festival-Komitee sind angetreten, um der Coronakrise zu trotzen und mit der Sonderedition ein Zeichen für die Kinokultur zu setzen. Wie fällt Ihr Fazit aus?   

Julia Borries: Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf unseres Filmfestivals. Die sechs Filme, die wir unseren ZuschauerInnen gezeigt haben, waren allesamt beeindruckend und es gab wunderbare angeregte Filmgespräche. Auch der Film, den wir in Kooperation in der Kunsthalle gezeigt haben, war ein Erfolg. Insgesamt waren auch die ZuschauerInnenzahlen ordentlich: natürlich gab es einige Vorstellungen, wo Reihen leer waren und viel Platz war, aber das ist in Zeiten von Corona ja auch gut so. Das Hygienekonzept des Kinos ging gut auf und wir hoffen, dass die Menschen auch weiterhin wieder ihren Weg ins Kino finden. Highlight des Wochenendes war für mich der Eröffnungsfilm DIE UNBEUGSAMEN und unser Gast zum Film, der Regisseur und Journalist Torsten Körner. Mit seinem Film über Frauen in der Politik, die sich nicht einkriegen lassen, legt er den Finger in die Wunde beim Thema Gleichberechtigung. Dieses Thema zog sich auch das ganze Wochenende durch, auch mit Blick auf ungerechte Strukturen in der Filmbranche. Die Emotionen bei den ZuschauerInnen durch die Wucht der Bilder und die Erinnerung an die zeitgeschichtlichen Ereignisse waren deutlich spürbar. Es ist so wichtig, auch weiterhin über aktuelle Fragestellen im Gespräch zu bleiben - nicht trotz, sondern gerade wegen Corona! Das hat unser Filmwochenende ermöglicht.  

Frau Karpenstein, wie haben Sie die drei Tage Filmfestival erlebt? 

Saskia Karpenstein: Ich konnte am Freitag und Samstag Gast beim Filmfestival sein. Ich bin froh und dankbar, dass es allen Beteiligten gelungen ist, diese Corona-Version durchzuführen. Kunstschaffende und die Menschen aus der Stadt haben es sichtlich genossen, in den Kontakt und Austausch zu kommen. Kino ist ein Format, das unterhalten und bewegen kann. So erging es mir zumindest.  

Zum ersten Mal können vier der im Programm gezeigten Filme im Nachgang auf dem Online-Kanal des Festivals gesehen werden. Welchen Film würden Sie empfehlen? 

Julia Borries: Meine Favoriten sind der von der Jugendjury ausgewählte Film FRAU STERN und der Film, der den Kinderfilmpreis erhalten hat, INVISBLE SUE. Sue ist eine junge weibliche Superheldin, die sich auf einmal unsichtbar machen kann. Mit ihren Freunden erlebt sie verschiedene Abenteuer. Regisseur Markus Dietrich hat sich durch seine Tochter zu der Story inspirieren lassen.EIn Film nicht nur für Kinder! Bürgermeister Tesche, Schirmherr des Kinderfilms, gab zu, er habe sich bei dem Film auch nochmal daran erinnert, wie wichtig es ist, sich Zeit für die Familie zu nehmen - Job hin oder her! Bei FRAU STERN begleiten wir die wunderbare Ahuva Sommerfeld als Frau Stern einige Tage ihres Lebens. Sie will nicht mehr leben, entdeckt dann aber die Freude am Leben zurück durch ihre Enkelin. Gemeinsam machen sie Berlin unsicher. Ein Film mit viel Ausgelassenheit, aber auch vielen nachdenklichen und traurigen Momenten. 

Welcher Film hat sie besonders beeindruckt, Frau Karpenstein? 

Saskia Karpenstein: Am Freitag absolut beeindruckend der Film "Die Unbeugsamen" als ein Zeugnis bundesdeutscher Frauengeschichte im Bundestag. "Gipsy Queen" hat mich sehr berührt mit seiner Erzählung eines kämpferischen Lebensweges einer Frau zwischen verschiedenen Welten.  

Wie geht es weiter - wird es im Frühjahr 2021 wieder ein reguläres Filmfestival geben oder ist eine weitere Sonderedition geplant? 

Julia Borries: Wir sind jetzt natürlich erstmal bestätigt: Kino und Festival gehen auch in Zeiten von Corona! Allerdings hängt die weitere Planung nun auch davon ab, wie es mit dem Cineworld Recklinghausen weitergeht. Wenn es nach mir ginge: auf jeden Fall wird es ein Festival 2021 geben! Ob wieder nur ein Wochenende oder wieder in der vollen Länge, das sehen wir dann. Die Berlinale ist ja auch schon in der Planung, wir schauen dann auch mal, wie sich unsere Vorbilder in den nächsten Monaten so machen. 

Saskia Karpenstein: Für die Zukunft wünsche ich mir unbedingt die Fortführung des Festivals, gerade in dieser besonderen Kooperation mit Kino und Kirche und unterstützt von vielen Menschen in der Kommune. Über die eine oder andere Facette würde ich gerne neu nachdenken, um auch beweglich und zukunftsfähig zu bleiben.

Fotos/Interview: Jörg Eilts