Header Kirchenkreis

Digitalisierung: Smart People For Smart Cities

Erstellt am 29.06.2019

Aufbau eines Sensornetzwerks für den Ballungsraum Emscher-Lippe

RECKLINGHAUSEN – Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten gerade einmal zwei Prozent der Weltbevölkerung in Städten. Innerhalb von 100 Jahren stieg die Zahl auf rund 13 Prozent. Um die Jahrtausendwende waren es bereits 47 Prozent. Laut einem UN-Bericht werden 2050 etwa zwei Drittel der Menschen auf unserer Welt in Städten leben. 

Urbanisierung und Bevölkerungswachstum verlangen den Ballungszentren auf der ganzen Welt immer mehr ab: durch Verkehr, demografischen Wandel, Verknappung der Ressourcen, Umweltverschmutzung und Überlastung. Heute wird in den Städten drei Viertel aller Energie verbraucht und 80 Prozent aller CO2-Emissionen ausgestoßen. 

Wie können möglichst viele Menschen in Ballungsräumen möglichst angenehm, effizient und umweltbewusst in urbanen Räumen leben und gleichzeitig an der fortschreitenden Digitalisierung ihrer Umgebung teilhaben? Wie können Energie und Ressourcen eingespart und gleichzeitig das Allgemeinwohl verbessert werden?

Eine inzwischen weltweit praktizierte Antwort auf diese Fragen lautet: Digitalisierung des städtischen Raumes mit Bürger*innen-Beteiligung: Ein für alle Bürgerinnen und Bürger frei verfügbares Funknetzwerk, das sich aus einem Sensornetzwerk speist, erfasst digital Daten und damit Wissen über Umwelt, Veränderungen und Maschinen. Auf einem Server werden die durch das Sensornetzwerk bereitgestellten, unabhängigen Daten für alle Interessierten zugänglich, wenn sie sich anmelden und einloggen. 

Das so genannte „Internet der Dinge“ bietet die Möglichkeit, Daten - und damit Wissen - über Umwelt, Maschinen und Veränderungen im nahen Lebensumfeld zu erfassen. Das lokale beziehungsweise regionale Sensornetzwerk erlaubt es jedem, der mitmachen möchte, unabhängige eigene Messdaten zu erzeugen und öffentlich verfügbar zu machen. Dazu braucht es nur einen kleinen Sensor mit passender Antenne und einen geeigneten Platz, um die Messeinheit aufzustellen und die eingehenden Datenpakete mit dem Server zu verbinden.

Damit können Daten über Einflüsse aus Wirtschaft, städtischem Leben und Natur gemessen und neu miteinander verknüpft, neue Erkenntnisse gewonnen und sinnvolle Lösungen aus unabhängiger Perspektive gefunden werden. Verschiedene Bereiche wie öffentlicher Verkehr, Bildung, Energiesysteme, Gebäudemanagement können mit Hilfe der an verschiedenen Messstellen gesammelten Daten gesamtheitlicher geplant beziehungsweise entwickelt werden, um so Städte und urbane Räume effizienter und lebenswerter zu machen. 

In Recklinghausen wurde vor kurzem eine erste Antenne  für LoRaWAN-Sensoren auf dem Dach des Knappschaftskrankenhauses installiert, auf dem höchsten Punkt im Vest. LoRa- Sensoren können jahrelang im Einsatz sein, sind extrem energieeffizient und verursachen im Betrieb keine laufenden Vertragsgebühren. Jede/r, der oder die in ähnlicher Weise in das offene, bürgernahe Sensornetzwerk eintritt und seine eigene Antenne mit einem solchen LoRa-Sensor aufstellt, ist willkommen. 

Die Kosten für die Hardware, für Sensor und Antenne, belaufen sich inklusive Einstiegsinstallationen auf weniger als 20 Euro, der Eintritt ins Sensornetzwerk ist frei, sagte Dr. Hans Hubbertz, Pfarramt für gesellschaftliche Verantwortung, zur Förderung der Digitalisierung der Region. Auf der Grundlage von Fördermitteln des Landes Nordrhein-Westfalen arbeitet er zusammen mit der IST planbar GmbH (Recklinghausen) am digitalen Umbau der Region in eine „Smart Region“. Zusammen mit anderen Fachleuten initiierte er erste Workshops mit praktischen Übungen mit der Sensorhardware. Denn ein erfolgreicher Umgang mit der Digitalisierung kann nur mit Fachwissen, Neugier und Bildung gelingen.  

Der Aufbau des Sensornetzwerkes im Modellraum Emscher-Lippe soll auch dazu beitragen, bedeutende Innovationen und neue Geschäftsmodelle anzustoßen und die Unternehmensentwicklung in der Region insgesamt voranzubringen. Das erfordert die Mitwirkung möglichst vieler, die sich am Aufbau dieses Gemeinschaftsprojekts aktiv beteiligen: smart people for smart cities. Angesichts des Potentials in der Region ist es ab sofort jeder Bürgerin und jedem Bürger möglich, mit relativ geringem Aufwand einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Städte in der Region effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver gestaltet und die Lebensqualität in ihnen gesteigert werden kann. GH

Foto (GH): (v.l.) Sebastian Scheer, Kaufmännischer Direktor Klinikum Vest, Pfarrer Dr. Hans Hubbertz und Elektriker Wilhelm Pantring auf dem Dach des Knappschaftskrankenhauses Recklinghausen

Links: