Arbeitskreis „Kirche und Kino“ präsentiert Halbjahresprogramm

Programm umfasst sechs Filme/ Kein Kirchliches Filmfestival im Frühjahr

Foto: Kai-Uwe Theveßen, Geschäftsführer Cineworld Recklinghausen, Joachim van Eickels und Marc Gutzeit, Mitglieder im ökumenischen Arbeitskreis Kirche und Kino, (von links) präsentieren das Halbjahresprogramm von „Kirche und Kino“

 

Recklinghausen - Seit mehr als 19 Jahre bringt der ökumenische Arbeitskreis „Kirche und Kino“ jeden Monat diskussionswürdige Filme auf die Leinwand. Sechs besondere Spielfilme haben es in diesem Jahr ins Halbjahresprogramm geschafft. Allerdings wird es kein „Kirchliches Filmfestival“ geben, jedenfalls nicht in der gewohnten Weise. „Wir sind froh, dass wir im vergangenen Jahr unser Festival im Herbst wie geplant durchführen konnten. Jedoch möchten wir wieder in unseren Frühjahrsturnus wechseln und hoffen, dass wir 2023 bewegende neue Filme vor dem offiziellen Kinostart zeigen können, ohne die Pandemie dabei im Nacken zu haben“, erklärt Marc Gutzeit, Geschäftsführer des Kreisdekanats Recklinghausen und Mitglied im ökumenischen Arbeitskreis. Als kleinen Ersatz plant der Arbeitskreis aber in der zweiten Jahreshälfte einen Filmtag. „Das könnte dann beispielsweise ein besonderer Film sein, zu dem ein Filmschaffender eingeladen wird. Da gibt es verschiedene Überlegungen“, stellt Gutzeit in Aussicht.

 

Die Reihe startet zum Holocaust-Gedenktag am Mittwoch, 26. Januar, mit dem israelisch-deutschen Thrillerdrama „Plan A – Was würdest du tun?“. Im Mittelpunkt steht der Schoah-Überlebende Max (August Diehl), der nach seiner Rückkehr aus dem Konzentrationslager erfährt, dass seine Frau und der kleine Sohn nicht mehr leben. Er wird beauftragt, eine Gruppe jüdischer Partisanen auszukundschaften, die einen Giftanschlag planen. Ihm gelingt es, Kontakt zu der Widerstandsgruppe Nakam aufzunehmen und gerät in ein tragisches Dilemma. „Das Regie-Brüderpaar Yoav und Doron Paz zeigt in diesem Film aus dem vergangenen Jahr, dass Jüdinnen und Juden nicht nur passive Opfer waren, sondern eben auch mutig und widerstandsfähig“, informiert Arbeitsgruppenmitglied Joachim van Eickels.

 

Am 16. Februar dürfen sich Filmliebhaber auf den mehrfach ausgezeichneten österreichisch-deutschen Spielfilm „Große Freiheit“ freuen. Der Protagonist Hans Hoffmann landet immer wieder im Gefängnis, da er Männer liebt und das in der Nachkriegszeit in Deutschland verboten ist. Dort trifft regelmäßig auf den verurteilten Mörder Viktor. „Der Regisseur Sebastian Meise erzählt in Zeitsprüngen eine eindringliche Geschichte über Männerliebe und Freundschaft, über Lebensmut und Menschlichkeit in einer Umgebung, die darauf angelegt ist, genau dies zu unterbinden“, berichtet Gutzeit. Der Film gehöre zum Begleitprogramm der Wanderausstellung „Kunst trotz(t) Ausgrenzung“, die vom 13. Februar bis zum 3. April in Recklinghausen in der Kunsthalle, der Christuskirche und der Gustav-Adolf-Kirche zu sehen ist. 

 

„Adam“ lautet der Titel einer berührenden Geschichte aus Casablanca und ist am Mittwoch, 16. März, zu sehen. Auch dieser französisch-marokkanische Spielfilm hat bereits mehrere Auszeichnungen erhalten. Er erzählt die Geschichte der alleinerziehenden Abla, die eine kleine Bäckerei betreibt, und ihrer achtjährigen Tochter Warda. Als die schwangere Samia an ihre Tür klopft und um Arbeit bittet, weist Abla sie zunächst ab. Doch ihre Tochter schließt die Fremde in ihr Herz und erweicht auch das ihrer Mutter. Ein zartes freundschaftliches Band wächst zwischen den beiden Frauen. „Regisseurin Maryam Touzani ist die neue weibliche Stimme des marokkanischen Kinos. Das Thema Menschlichkeit entwickelt sich zum Thema Solidarität“, erläutert van Eickels.

 

Den Europäischen Filmpreis unter anderem für den besten Film und die beste Darstellung erhielt „Quo vadis, Aida?“, der am 6. April in der Reihe zu sehen ist. In dem thrillerartigen Kriegsdrama lernen die Zuschauenden Aida, Übersetzerin in einem Stützpunkt der in der Nähe Srebrenicas stationierten US-Friedenstruppen, kennen. 25.000 Bosniaken – zumeist Frauen und Kinder – suchen hier am 11. Juni 1995 Zuflucht, denn die Stadt ist von bosnischen Serben eingenommen. Die Blauhelme sind mit der Situation überfordert. „Der Blickwinkel ist bei diesem Drama anders als bei vielen anderen Kriegsdramen. Es ist ein großartiger Gedenkfilm“, ist Gutzeit überzeugt.

 

Am 4. Mai geht es mit dem Dokumentarfilm „Kabul, City in the wind“ weiter. Im Mittelpunkt stehen der Busfahrer Abas und die Brüder Afshin, Hussein und Benjamin. „Dem Regisseur Aboozar Amini gelingt das Kunststück, diese Menschen und ihr Leben ebenso liebevoll wie auch distanziert zu begleiten“, führt van Eickels in den Film ein. Zum Abschluss des ersten Halbjahres gibt es am 15. Juni einen ebenfalls mehrfach preisgekrönten englischen Spielfilm. In „The Father“ spielt Antony Hopkins einen alten Herrn, der zunehmend durch seine Demenzerkrankung die Kontrolle über sein Leben verliert. Seine Tochter Anne (Olivia Colman) kümmert sich um ihn und gerät dabei an ihre Grenzen. Der Film beruht auf einem international erfolgreichen Bühnenstück des französischen Theatermannes Florian Zeller, der es verfilmte. „Antony Hopkins wurde für seine Rolle 2021 mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet“, informiert Gutzeit.

 

Alle Filme werden im Partnerkino Cineworld Recklinghausen gezeigt. „Mit der 2-G-Regel und unserem Hygienekonzept ist das Kino ein ziemlich sicherer Ort“, sagt Geschäftsführer Kai-Uwe Theveßen. Um 19.45 Uhr starten die Vorführungen mit einer Einführung durch den Medien- und Religionspädagogen Michael M. Kleinschmidt vom Institut für Kino und Filmkultur. Alle aktuellen Informationen zu den Filmen gibt es im Internet unter www.kirchliches-filmfestival.de/kircheundkino. Karten gibt es auf der Homepage des Kinos unter www.cineworld-recklinghausen.de.


Foto und Bericht: Bischöfliche Pressestelle/Michaela Kiepe