Botschaft in Wort und Tat

Erstellt am 08.12.2023

Kreissynode tagte in den Recklinghäuser Werkstätten

 

Recklinghausen - Zu Beginn der Adventszeit kam die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen zu ihrer Tagung in den Recklinghäuser Werkstätten der Diakonie zusammen, um über die Schwerpunkte Finanzen und Diakonie zu beraten und entsprechende Beschlüsse zu fassen.

Im Gottesdienst zu Beginn der Kreissynode wies Diakoniepfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier auf die Sichtbarkeit von Kirche hin. „Wenn wir nicht das Licht auf den Leuchter stellen, wer wird es dann tun“, fragte Kehlbreier die anwesende Synodalgemeinde. Er nahm Bezug auf die Gründung der heutigen Diakonie vor 175 Jahren durch Johann Hinrich Wichern. „Rettung und Liebe, Mission und Diakonie, wird die Chance einer kleiner werdenden Kirche sein“, so Kehlbreier. Kirche werde nicht von der Bildfläche verschwinden, sondern weiterhin für die Menschen da sein, die die Botschaft in Wort und Tat brauchen.

Die Kirchen stünden vor einer Zeitenwende, die sie so in der Kirchengeschichte noch nicht erfahren haben, sagte der katholische Propst Karl-Hermann Kemper in seinem Grußwort. Doch es gäbe einen Unterschied: „Wir sind nicht allein. Wir stehen zusammen, haben eine ökumenische Verbundenheit“, so Kemper. Das sei ein Pfund, dass in die Waagschale geworfen werden kann. Kemper sprach sich für weniger Abgrenzung und mehr Konzentration auf das Wesentliche aus. Kirchliches Leben finde nicht ausschließlich in Gemeinden statt, sondern sie sei in ein seelsorgliches, diakonisches und caritatives Handeln eingebettet und dies am besten ökumenisch.

Superintendent Steffen Riesenberg brachte von der tags zuvor tagenden Kreissynode im Nachbar-Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten faire Orangen aus Italien mit, ein Projekt des oikos-Instituts der Evangelischen Kirche von Westfalen. Anhand einer Geschichte vom Kommen Gottes hob er zwei Dinge hervor: Gott kommt, aber er ist auch immer schon mit dabei. Und es gilt, die Kirche als Ort so aufzustellen, dass Menschen dort Gott begegnen können.

Bericht der Superintendentin

Mit vielen Erwartungen und auch einiger Unsicherheit im Gepäck ist Mitte August eine achtköpfige Delegation aus den Kirchenkreisen Gladbeck-Bottrop-Dorsten und Recklinghausen nach Tansania gestartet. Es war der Antrittsbesuch der beiden Superintendenten Saskia Karpenstein und Steffen Riesenberg in den Partner-Kirchenkreisen der Nordwest-Diözese. Karpenstein erläuterte anhand einiger Bilder ihre Erfahrungen im Magharibi-District. Knapp zehn Jahren seit dem letzten Partnerschaftsbesuch machte sich die Delegation ein Bild, was sich seitdem verändert und entwickelt hat.

„Wir haben Impulse ausgetauscht, manche Fragen sind geblieben“, so Karpenstein. Mit Blick in die Zukunft würde sie gerne Überlegungen anstellen, wie verhindert werden kann, dass durch die Partnerschaft Abhängigkeiten produziert und verfestigt werden. Partnerschaft braucht Menschen, die sie tragen. Hier werde es für die Zukunft schwierig, Menschen zu finden, die sich dort engagieren. Hören Sie mehr dazu in unserem Podcast "Wortschritte".

In ihren weiteren Ausführungen nahm die Superintendentin Bezug auf die kirchenpolitischen Entwicklungen der letzten Wochen. Karpenstein machte deutlich, dass der Schutz vor sexualisierter Gewalt in den Gemeinden und im Kirchenkreis sehr ernst genommen wird. Eine Vielzahl von Maßnahmen sind bereits ergriffen worden, so Karpenstein: die Errichtung einer Fachstelle, Schulung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, erweiterte Führungszeugnisse für Hauptberufliche und Ehrenamtliche, Schulungen und Sensibilisierungen, Erarbeitung von Schutzkonzepten, ein Fachtag und eine Ausstellung zum Thema, die Bildung eines internen Krisenstabes.

Mit Blick auf die auf der EKD-Synode präsentierte Kirchenmitgliedschaftsstudie mahnte Superintendentin Karpenstein, bei allen notwenigen und schmerzhaften Change-Prozessen den Blick nach außen nicht zu vergessen. „Wie werden wir in der Öffentlichkeit wahrgenommen? Sind wir sichtbar und auffindbar?“ Karpenstein machte deutlich, dass die Zeit wegläuft und Kirche schneller zu Entscheidungen kommen muss. Sie ermutigte die Mitglieder Kreissynode, so zu planen, dass noch Freiräume da sind, um die vielfältigen Veränderungen zu durchdenken, um dann zu verantworteten Entscheidungen zu kommen.

Kirche und Diakonie – Stärkung in der Krise

Dass Kirche und Diakonie nicht getrennt betrachtet werden können, darauf wies Diakoniepfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier hin. „Die institutionelle Diakonie verstand sich dezidiert als kirchliche Bewegung, wie der frühere Begriff „Innere Mission“ verdeutlicht.“ Kirche und Diakonie dürfen das Vertrauen der Menschen nicht verspielen, dass die Kirche das tut, was sie sagt und sagt, was sie tut. Denn: „Diakonie ist Kirche. Und Kirche ist Diakonie!“

Die institutionelle Diakonie will das Diakonische der Kirche durch selbständige professionelle Strukturen stärken. „Wir kommen nur miteinander durch diese Krise“, stellte Kehlbreier klar. Kirche werde immer stärker mit diakonischem Handeln verknüpft. Menschen erwarten von der Kirche, dass sie sich für Arme, Kranke und Bedürftige einsetzt und für mehr Gerechtigkeit in der Welt. Kirche sollte als Referenzraum dienen, um die Selbstverankerung der Diakonischen Werke deutlich zu machen.

Aus seiner Sicht fehle teilweise eine wirkliche Vernetzung von Kirche und Diakonie. Dabei zeigte Kehlbreier einige Bespiele aus dem Kirchenkreis auf, wo Vernetzung gelingt: die Wohnungslosenhilfe in der Erlöserkirche in Herten, die Familienbildungsstätte in Marl-Hüls als Schnittstelle von Kirche und Diakonie, der Ambulante Hospizdienst im Matthias-Claudius-Zentrum in Oer-Erkenschwick, das Projekt #wärmewinter in einigen Gemeinden des Kirchenkreises. Kehlbreier sprach sich für eine Ausweitung der gemeinsamen Nutzung von Gebäuden und Flächen aus, aus der weitere neue Ideen für gemeinsame Sozialprojekte erwachsen können. Hier liege eine große Chance eines neuen Miteinanders zwischen Kirche und Diakonie.

Auch die Diakonie wird nicht alle Angebote aufrechterhalten können, aber gemeinsam geht manches. Kehlbreier bot an, in die Gemeinden zu kommen, um gemeinsam nachzudenken, welche Diakonie die Gemeinden wollen und brauchen. „Wir brauchen eine Kirche, die sich nicht aufgibt, die nicht bei sich selbst bleibt, die die Liebe Gottes bei den Menschen bezeugt“, so Dietmar Kehlbreier.

Finanzen

In seinem Finanzbericht stellte Heinz Waschhof als Vorsitzender des kreiskirchlichen Finanzausschusses die finanzielle Entwicklung in der Landeskirche und im Kirchenkreis vor. Trotz vorsichtiger Finanzplanung sagt die Prognose für die nächsten Jahre einen kontinuierlichen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen aus. „Die Zahlen gehen runter und es besteht wenig Aussicht auf einen Aufschwung“, so Waschhof.

Der Spardruck bestehe auf allen Ebenen der Kirche. Die meisten Gemeinden wie auch der Kirchenkreis haben für das neue Jahr einen Haushaltsplan mit einem Planungsdefizit, der Auswirkungen auf die weitere Arbeit hat und das Ergreifen notwendiger Maßnahmen erfordere. „Angesichts der Rahmenbedingungen werden Versuche, den Status-Quo irgendwie zu erhalten, scheitern müssen“, so Waschhof.

So wird auf der Ebene des Kirchenkreises ein konsequenter Sparkurs gefahren werden müssen, um den Haushalt des Kirchenkreises so zu konsolidieren, dass das sechsstellige Planungsdefizit aufgefangen werden kann. Dazu hat die Kreissynode einen moderierten Beratungsprozess verabschiedet. Eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung der Gemeinden, der Dienste und der Mitarbeitervertretung soll herausarbeiten, welche Aufgaben der Kirchenkreis unter Berücksichtigung der Konsolidierung des Haushalts zukünftig noch haben soll. Erste Ergebnisse werden auf der Kreissynode im Sommer 2024 vorgestellt.

Die Kreissynode beschloss den Haushalt des Kirchenkreises. sowie des Verbundes der Tageseinrichtungen für Kinder für das Haushaltsjahr 2024. Ebenfalls beschlossen wurde der Haushalt der kirchlichen Gemeinschaftsstiftung für Kirche und Diakonie „ernten und säen“. Das Stiftungsvermögen der Gemeinschaftsstiftung konnte weiter gesteigert werden.

„Nie wieder!“ ist jetzt! – gegen jeden Antisemitismus

Aufgrund der aktuellen Welle von Antisemitismus verabschiedete die Kreissynode einstimmig eine Stellungnahme gegen jeden Antisemitismus unter der Überschrift: „Nie wieder!“ ist jetzt! – gegen jeden Antisemitismus. Die Synode verurteilte jede Form von Antisemitismus sowie Hass gegen Jüdinnen und Juden, egal aus welcher religiösen oder politischen Richtung und erklärte ihre Solidarität gegenüber der Jüdischen Kultusgemeinde Kreis Recklinghausen. Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen im Kirchenkreis seien aufgefordert, klare Zeichen gegen Antisemitismus in allen seinen Ausprägungen zu setzen. „Denn „Nie wieder!“ ist jetzt.“ (uka)

Fotos: Jörg Eilts