Einsamkeit das große Tabu-Thema

Erstellt am 20.04.2023

SPD-Landtagsabgeordnete besuchen Telefonseelsorge Recklinghausen

Foto: Pfarrerin Gunhild Vestner begrüßt den SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Kutschaty und seine Landtagskolleg:innen zu einem informativen Austausch

 

Recklinghausen - Einsamkeit wird zu einem immer größer werdenden gesellschaftlichen Problem. Das bekommt auch die Telefonzentrale Recklinghausen zu spüren. Rund jeder fünfte Mensch, der sich via Telefon oder Chat meldet, ist davon betroffen. Vor zwanzig Jahren war es nur jede(r) Zehnte. Die Gründe sind vielfältig: Wechsel oder Verlust der Arbeit, Studienstart in einer anderen Stadt, Scheidung, alleinerziehend u.v.m.

Aus diesem Anlass besuchte am Dienstag eine kleine Delegation von SPD-Landtagsabgeordneten die ökumenische Telefonseelsorge, darunter auch der Fraktionsvorsitzende Thomas Kutschaty und seine Stellvertreterin Lisa Kapteinat, auf deren Initiative das Treffen zustande kam. Mit dabei waren auch Lena Teschlade (Sprecherin Soziales und Arbeit), Thorsten Klute (gesundheitspolitischer Sprecher) und Christina Weng (MdL).

Bevor es in den persönlichen Austausch mit einem Teil der  Mitarbeitenden ging, stellten das Leitungsteam Gunhild Vestner und Christa Bischoff ein paar Zahlen vor.

Die Telefonseelsorge Recklinghausen hat im Jahr 2022 insgesamt 11.007 Seelsorge- und Beratungsgespräche geführt. Neben der Einsamkeit (21 %) sind psychische Erkrankungen (36 %) und depressive Stimmungen (19 %) die häufigsten Gründe. Um das Thema Suizid geht es in jedem 10. Gespräch. Die meisten Anrufenden sind zwischen 50 bis 69 Jahre alt (52 %), weiblich (66 %), alleinlebend (60 %) und nicht mehr berufstätig (64 %).

Im Anschluss daran entwickelte sich eine konzentrierte Frage- und Antwortrunde. Hier berichteten vor allem die vier ehrenamtlichen Frauen und Männer von ihrer Arbeit am Telefon und im Chat. Unisono zeigten sich alle hochmotiviert und zufrieden mit ihrer anspruchsvollen Aufgabe, die eine besondere Qualifikation und Nachschulung bedarf. Es wurden auch kritische Punkte angesprochen wie die verbesserungswürdige Finanzierung, ein stärkeres Präventionsnetz für Menschen mit suizidalen Gedanken, mehr Therapie- und Unterstützungsangebote.

Sehr zur Freude des Telefonseelsorgeteams zeigten die fünf Politiker:innen großes Interesse an ihrer Arbeit. Pfarrerin Gunhild Vestner machte das besonders an den vielen Nachfragen zum Thema Einsamkeit fest: „Das ist für mich ein Indiz, dass sie es ernst meinen. Sie waren sehr neugierig, in die für sie unbekanntere Welt der Telefonseelsorge einzutauchen.“  Ursprünglich waren eineinhalb Stunden Sitzungszeit vereinbart, am Ende wurden es fast zwei Stunden. Und zum Schluss gab es dankende Worte und Applaus von den Politiker:innen für die Mitarbeitenden der Telefonseelsorge.

 

Wer Interesse hat, sich bei der Telefonseelsorge zu engagieren:

Neue Ausbildungsgruppe startet demnächst. Anmeldung ab jetzt digital über die Webseiteper Mail an tsdontospamme@gowaway.telefonseelsorge-re.de oder telefonisch 02361 - 27898.

Nach einem ersten persönlichen Gespräch und einem Informations- und Entscheidungstag am 2.September startet die Gruppe am 24. Oktober. Weiter Informationen zu unserer Arbeit und der Ausbildung finden Sie auf der Webseite