Fünf Filme und ein Festival

Erstellt am 19.01.2024

Arbeitskreis „Kirche und Kino“ stellt Programm fürs erste Halbjahr 2024 vor

Julia Borries

Recklinghausen - Gute Aussichten für die Freundinnen und Freunde des guten Films. Der ökumenische Arbeitskreis Kirche und Kino präsentiert sein Programm für das erste Halbjahr 2024. Auf fünf teilweise ausgezeichnete Werke und das Kirchliche Filmfestival, das in seiner 14. Auflage vom 13. bis 17. März stattfindet, dürfen sich Interessierte in den kommenden sechs Monaten im Cineworld Recklinghausen freuen. „Die Themen sind so vielfältig wie das Leben. Es geht um Versöhnung, die eigene sexuelle Identität, um kulturelle Fragen, ein gutes Miteinander leben und vieles mehr. Wir haben Filme aus Deutschland, Österreich und Frankreich ebenso im Programm wie beispielsweise aus Pakistan“, berichtet Julia Borries, Mitglied im Veranstalterkreis und Erwachsenenbildnerin im Evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen. Und Marc Gutzeit, Geschäftsführer des Katholischen Kreisdekanats Recklinghausen, ergänzt: „Es gibt zurzeit viele gute und diskussionswürdige Filme. Es war nicht einfach, eine Auswahl zu treffen. Wir hätten deutlich mehr zeigen können.“

Am Mittwoch, 31. Januar, startet die Reihe mit dem französischen Spielfilm „All eure Gesichter“. In ihrem Film erzählt die Regisseurin und Drehbuchschreiberin Jeanne Herry von Fanny und Michel, die als Mitarbeitende des „Restorative Justice-Programms“ versuchen, verurteilte Gewalttäter und Opfer von Gewalt in einen Austausch zu bringen. Nach anfänglicher Skepsis findet in der Gruppe eine Entwicklung statt. In Zeiten gesellschaftlicher Verhärtungen und Spaltungen ist der Film ein Plädoyer für das Gespräch, für Empathie und den Mut zum Perspektivwechsel.

Weiter geht die Reihe am Mittwoch, 21. Februar, mit dem mehrfach ausgezeichneten Drama „Elaha“. Der Abschlussfilm der Regisseurin Milena Aboyan als Absolventin der Filmakademie Baden-Württemberg erzählt eine bewegende Geschichte über Mut, Selbstfindung und den Wunsch nach einem authentischen Leben. Die 22-jährige Elaha ist Deutsch-Kurdin, arbeitet in einer Wäscherei, liebt ihre Familie und ihre Traditionen, hinterfragt aber auch die gebotenen Regeln. Sie wird heiraten und sieht sich mit den Erwartungen konfrontiert, als Jungfrau in die Ehe zu gehen. Das Thema der sexuellen Selbstbestimmung wird für Elaha virulent.

In die Welt der österreichischen Alpen um 1900 entführt am Mittwoch, 24. April, die Leinwandadaption des Bestsellers von Robert Seethaler „Ein ganzes Leben“. Im Mittelpunkt steht die Lebensgeschichte des Waisenjungen Andreas Egger. Der Film von Regisseur Hans Steinbichler stellt die Frage, was es im Leben braucht, um weiterzumachen, vielleicht sogar Glück zu empfinden. Die Bergwelt ist dabei mehr als nur Kulisse: sie wirft den Menschen auf sich selbst zurück.

Das Spielfilmdebüt „Joyland“ von Regisseur Saim Sadiq steht am Mittwoch, 22. Mai, auf dem Programm. Der mehrfach ausgezeichnete Film schaffte es unter anderem als erster pakistanischer Film auf die Oscar-Shortlist für „Besten Internationen Spielfilm“. Der Regisseur und Drehbuchautor erzählt eine vielschichtige, explosive Liebesgeschichte, in der es um Tradition, Familie und die eigene Freiheit geht. Haider, ein Tagträumer ohne Einkommen und Nachwuchs, ist der jüngste Sohn einer konservativen pakistanischen Großfamilie und mit der zielstrebigen Mumtaz verheiratet. Als er eines Tages unverhofft zu einem Job kommt, ändert sich schlagartig sein Leben. Er entwickelt tiefere Gefühle zur charismatischen transsexuellen Tänzerin Biba. Sadiq sieht seinen Film als Hommage an alle Frauen, Männer und Transmenschen, die unter dem Patriarchat leiden und als herzzerreißende Liebeserklärung an sein Heimatland.

Am Mittwoch, 26. Juni, endet das Halbjahr mit dem Filmdrama „The Old Oak“ von Ken Loach. Der Regisseur war nicht nur im April 2019 zu Gast, sondern seine Werke gehören zu den meistgezeigten in der Reihe Kirche und Kino in den vergangenen 21 Jahren. Sein neuester Film spielt in einer kleinen Bergbaugemeinde im Nordosten Englands. Seit die örtlichen Kohlegruben geschlossen wurden, stehen viele Häuser leer, weshalb hier 2016 syrische Bürgerkriegsflüchtlinge untergebracht werden. Das Unverständnis der Bewohnerinnen und Bewohner darüber, dass die Flüchtlinge von der Regierung alles bekommen, sie selbst aber vergessen werden, reißt Gräben auf. Doch TJ Ballantine, Besitzer des einzig verbliebenen Pubs, freundet sich mit der Syrerin Yara an. Der Film erzählt von einer langsamen Annäherung der beiden Menschen, die bei allen Unterschieden doch ähnliche Ohnmachtserfahrungen in ihrem Leben machen mussten.

Für das Kirchliche Filmfestival laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Kinder- und die Jugendjury schauen sich die ersten Filme für ihre jeweiligen Preise an. „Auch wir haben schon einige Filme gesichtet, aber wir stehen mit der inhaltlichen Arbeit noch am Anfang. Schließlich wollen wir dem Publikum aktuelle und außergewöhnliche Filme vor Kinostart zeigen und ihnen die Begegnung mit interessanten Gästen ermöglichen“, erklärt Borries. Erste Informationen kündigt der Veranstalterkreis für den 29. Februar an.

Alle Filme der Reihe Kirche und Kino beginnen um 19.45 Uhr. Die Vorführungen starten mit einer Einführung durch den Medien- und Religionspädagogen Michael M. Kleinschmidt vom Institut für Kino und Filmkultur. Im Anschluss sind die Anwesenden zur Diskussion eingeladen. 

Der Vorverkauf beginnt am 22. Januar. Karten gibt es im online unter www.cineworld-recklinghausen.de oder an der Kinokasse. Aktuelle Informationen sowie das Programmheft finden sich im Internet unter www.kirchliches-filmfestival.de/kircheundkino.  (kff/mek)

Foto: Jörg Eilts