Fünf Filme und eine Sondervorstellung des Festivals

Erstellt am 07.08.2023

„Kirche und Kino“ zeigt im zweiten Halbjahr wieder anspruchsvolle Filme

Foto: Julia Borries und Joachim van Eickels präsentieren das aktuelle Programm der Reihe „Kirche und Kino“

 

Recklinghausen - Das Warten für die Freunde des anspruchsvollen Films hat ein Ende. Fünf besondere Filme und eine Sonderveranstaltung des Kirchlichen Filmfestivals hat der ökumenische Arbeitskreis „Kirche und Kino“ im Programm für das zweite Halbjahr. Auch der Termin für das nächste Kirchliche Filmfestival ist festgezurrt. Die 14. Auflage wird vom 13. bis 17. März 2024 im Cineworld stattfinden.

„Es sind alles Filme, die sich sehr vielschichtig mit ihrem jeweiligen Thema beschäftigen. Es geht um die eigene Identität, um Menschenrechte, um die Freude am Leben“, nennt Julia Borries, Mitglied im Veranstalterkreis und Erwachsenenbildnerin im Evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen, einige Aspekte. Zudem zeichneten sich in den meisten der ausgewählten Filme Frauen als Regisseurinnen für die Umsetzung verantwortlich. „Das war nicht das Ziel bei der Auswahl. Es hat sich so ergeben. Das ist eine gute Entwicklung in der Filmbranche“, fügt sie hinzu. 

Direkt nach den Sommerferien starten die Verantwortlichen am 16. August mit dem französischen Film „Divertimento – ein Orchester für alle“. Die mehrfach ausgezeichnete Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar ist in Recklinghausen keine Unbekannte. 2017 erhielt sie für „Der Himmel wird warten“ den Preis des achten Kirchlichen Filmfestivals. Im Mittelpunkt ihres aktuellen Films stehen die Zwillingsschwestern Zahia und Fettouma Zioani, die sich für klassische Musik begeistern und hohe Ziele verfolgen. Beide sind zielstrebig, werden auf ihrem Weg jedoch immer wieder mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert.

Am 6. September nimmt die baskische Regisseurin Estibaliz Urresola Solaguren in ihrem Spielfilmdebüt „20.000 Arten von Bienen“ sich der Geschlechteridentität an. Ihre Protagonistin, die achtjährige Cocó, versteht nicht, warum sie jeder bei ihrem Geburtsnamen Aitor anspricht. Das weitgehend weibliche Umfeld lebt ihr unterschiedliche Möglichkeiten des Frauseins vor. Die junge Sofía Otero, die das erste Mal vor der Kamera stand, erhielt den Silbernen Bären für die beste Schauspielerische Leistung. 

„Living – einmal wirklich leben“ lautet der Titel der Literaturverfilmung am 18. Oktober. Es ist eine Adaption von Akira Kurosawas Drama „Ikiru“, für die Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro das Drehbuch geschrieben hat. Daraus hat Regisseur Oliver Hermanus einen leisen, wehmütigen Film gedreht, der unter anderem beim Oscar für den besten Hauptdarsteller nominiert war. Der 70-jährige Witwer Rodney Williams (Bill Nighy) erfährt, dass er nur noch wenige Monate zu leben habe. Acht Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lebt er in einem England, das noch den strengen Geist des Britischen Empire verströmt. Doch er beginnt angesichts der deprimierenden Diagnose seinen Alltag zu verändern.

Zu einer Sondervorstellung des Kirchlichen Filmfestivals laden die Veranstaltenden am Sonntag, 29. Oktober, um 17 Uhr ein. Das Hybrid-Schauspiel „Roter März – ein historisches Ruhrgebietsdrama“, das Theater und Filmszenen vereint, feierte seine Premiere im April 2021 pandemiebedingt vor Geisterpublikum im Live-Stream. In Recklinghausen findet nun die Kino-Premiere statt. Zum Gespräch kommt unter anderem der Regisseur Adnan G. Köse, der auch bereits mit seinem Film „Last Refuge – letzte Zuflucht“ auf dem Kirchlichen Filmfestival 2016 zu Gast war.

Am Mittwoch, 15. November, geht es mit dem mehrfach preisgekrönten Film „Seven winters in Teheran“ der Regisseurin Steffi Niederzoll weiter. Im Mittelpunkt ihres Dokumentarfilms steht die Studentin Reyhaneh Jabbari, die von der iranischen Justiz im Oktober 2014 nach siebenjähriger Haft hingerichtet wurde. Der Film wird im Rahmen der ökumenischen Friedensdekade in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen und Gemeinden in Recklinghausen (ACK) gezeigt.

Die diesjährige Reihe schließt am 6. Dezember mit dem deutsch-finnischen Spielfilm „Franky Five Star“, der mit dem Preis der Ökumenischen Jury beim Filmfestival Max Ophüls Preis ausgezeichnet wurde. Drehbuchautor Knut Mierswe und Regisseurin Birgit Möller stellen Franky in ihrem wahren und ihrem inneren Leben vor. Sensibel und humorvoll geht der Film der Frage nach, was es bedeutet, man selbst zu sein.

Alle Filme der Reihe „Kirche und Kino“ beginnen um 19.45 Uhr. Die Vorführungen starten mit einer Einführung in die Besonderheiten durch den Medien- und Religionspädagogen Michael M. Kleinschmidt vom Institut für Kino und Filmkultur. Im Anschluss sind die Anwesenden zur Diskussion eingeladen. Karten gibt es unter www.cineworld-recklinghausen.de. Aktuelle Informationen sowie das Programmheft finden sich im Internet unter www.kirchliches-filmfestival.de/kircheundkino. (M. Kiepe)

 

Foto: Jörg Eilts