Kreissynode beschließt neue Finanzsatzung

Entscheidung über Klimamanager vertagt

Foto: In der Johanneskirche in Oer-Erkenschwick trafen sich die Mitglieder der Kreissynode zu ihrer Tagung, u.a. Landeskirchenrätin Barbara Roth und Superintendent Steffen Riesenberg aus dem Nachbar-Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten

 

Oer-Erkenschwick - Mit knapper Mehrheit beschloss die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen auf ihrer Tagung in Oer-Erkenschwick eine neue Finanzsatzung für den Kirchenkreis. Voraus gegangen war ein monatelanger Prozess von der Erarbeitung eines Satzungsentwurfs bis zur Vorstellung und Auseinandersetzung mit den Inhalten. Dazu hatte der Kreissynodalvorstand eine Arbeitsgruppe aus Gemeinden, Diakonie und Finanzfachleuten unter Leitung von Superintendentin Saskia Karpenstein gebildet, die in vielen Gesprächen einen Entwurf zusammen gestellt haben, der möglichst viele Aspekte berücksichtigt hat.

In seiner Einführung ging der Vorsitzende des kreiskirchlichen Finanzausschusses, Heinz Waschhof auf einige Punkte des Entwurfs ein. Er dankte allen, die in der Arbeitsgruppe mitgewirkt haben. Die Notwendigkeit einer Veränderung der bisherigen Finanzsatzung scheint allgemein akzeptiert, so Waschhof. Das entwickelte Modell sei ein Kompromiss, der alle Bereiche von Gemeinden, Diakonie und Kirchenkreis betrifft. Der Entwurf beschert geringere Zuweisungen auf allen Ebenen und stellt eine Annäherung zur Finanzsatzung des Nachbar-Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten da. Dabei bleiben weiterhin Unterschiede, z.B. bei den Diakoniemitteln. Deutlich wird auch, dass die Leitungsgremien des Kirchenkreises beschreiben müssen, wie der Kirchenkreis mit seinen Arbeitsbereichen zukünftig aussehen soll.

Der neue Satzungsentwurf wurde im Vorfeld breit gestreut. Synodalversammlungen zur Erläuterung des Satzungsentwurfs bildeten ein gutes Forum für die Auseinandersetzung mit dem Inhalt. Ein Stellungnahmeverfahren in den Kirchengemeinden war zeitlich sehr ambitioniert.

Die Rückmeldungen aus den Gemeinden konnten zum Teil aus Zeitgründen nicht eingearbeitet werden, zum anderen bezogen sich nicht alle auf Inhalte des Satzungsentwurfs. Vieles davon wird später weiter bearbeitet werden.

Landeskirchenrätin Roth wies darauf hin, dass die jetzige Finanzsatzung nicht die Wirklichkeit abbilde. Der vorgelegte Entwurf sei für niemanden befriedigend, aber ein richtiger Schritt. Zu den Inhalten des Satzungsentwurfs gab es eine lebendige Diskussion auf der Synode, von kompletter Ablehnung bis zum Vorschlag, eine gemeinsame Finanzsatzung für beide Kirchenkreise zu entwickeln. Dies würde aber einen zu langen Zeitraum in Anspruch nehmen, waren sich große Teile der Synodalen einig. Der Handlungsbedarf bestehe jetzt. Letztlich wurde die neue Finanzsatzung mit ihrer Aufteilung als ein gangbares Modell angesehen und mit knapper Mehrheit beschlossen. Die Gemeinden und der Kirchenkreis werden sich an die neue Systematik gewöhnen müssen. Zudem beschloss die Kreissynode eine verpflichtende Überprüfung der Finanzsatzung nach mindestens drei Jahren.

Weiterhin befassten sich die Mitglieder der Kreissynode mit dem Klimaschutz und nahmen dabei die Ergebnisse der kurz vorher stattgefundenen Landessynode auf. Die Landeskirche geht von einer Reduktion der kirchlichen Gebäude von 40 Prozent aus, für die die kirchlichen Körperschaften dann nicht mehr verantwortlich sein werden. Die verbliebenen Gebäude sind energetisch zu sanieren. Hierbei stellt sich die Frage nach Kriterien wie dem Raumbedarf, dem Sanierungsstand oder den Haushaltsbelastungen, gerade auch durch Energieverbräuche. Dazu hat die Landesynode beschlossen, dass vier Prozent der Kirchensteuerzuweisung an die Kirchenkreise für den Klimaschutz zu verwenden ist. Dieser Betrag kann u.a. für die Einrichtung einer Stelle für das Klimamanagement genutzt werden.

Flächendeckend wird ein Energiecontrolling eingeführt, in dem alle Energieverbräuche ermittelt und ein einer zentralen Datenbank eingepflegt werden. Daraus ist erkennbar, welche Gebäude viel Energie benötigen und zeitnah zu ertüchtigen oder aufzugeben sind. Außerdem gibt es einen Planungsstopp für Heizungsanlagen mit fossilen Energieträgern. Mögliche Ausnahmen müssen vom Landeskirchenamt genehmigt werden. Zudem wird Geld zur Verfügung gestellt, um kleinere Sofortmaßnahmen zu unterstützen. Angeregt wurde auch die Bildung von Gebäudeplanungsräumen auf kommunaler oder regionaler Ebene.

Der Umweltbeauftragte des Kirchenkreises, Hans-Jürgen Hörner machte deutlich, dass jede gesparte Energie gute Energie sei. Er wies darauf hin, dass ca. 90 Prozent der Energiekosten eingespart werden können, wenn die Kirchen nicht beheizt werden. Sitzheizungen würden erhebliche Energieeinsparungen bringen. Es wird empfohlen, die Temperatur in den Kirchen relativ niedrig zu halten. Datenlogger sollen anzeigen, wie man die Kirchen sinnvoll regulieren kann. Auf der kommenden Landessynode im November wird der Entwurf eines Klimaschutzgesetzes beraten.

Die Synodalen diskutierten Auswirkungen und Umsetzung für den Kirchenkreis, z.B. an welcher Stelle die zweckgebundenen Mittel für den Klimaschutz festgeschrieben bzw. verteilt werden. Dazu gibt es verschiedene Alternativen, über die die Mitglieder der Kreissynode auf ihrer Herbsttagung im November weiter beraten wollen. Die Gemeinden wurden gebeten, weiter an dem Thema zu arbeiten und Kontakt zu den Fachleuten in Kirchenkreis und Verwaltung aufzunehmen.

Begonnen hatte die Kreissynode mit einer Andacht von Pfarrerin Susanne Kuckshoff aus Datteln.

Kuckshoff machte in ihrer Ansprache deutlich, dass Gott Menschen in seinen Dienst beruft und ihnen viel zutraut. „Unsere Aufgabe ist es, das Evangelium weiter zu sagen, so gut wir das können.“ Ob es bei den Menschen ankommt, dafür gebe es keine Erfolgsgarantie. „Aber der Auftrag bleibt, das Wort Gottes zu verkündigen, befreit von Leistungsdruck und von Erfolgszwang“, so Kuckshoff.

Die eingesammelte Kollekte von über 600 Euro war bestimmt für „Brot für die Welt“ als Zeichen gegen den Hunger in der Welt.

In ihrem Grußwort berichtete Landeskirchenrätin Barbara Roth von der gerade stattgefundenen Landessynode, auf der ein Schwerpunkt die Klimafrage gewesen ist. Auch griff sie die Beratung über die neue Finanzsatzung auf der Recklinghäuser Synode auf. Damit verbunden sei die Frage, wie der Kirchenkreis künftig aufgestellt sein werde. Dies sei auch neben einer neuen Finanzsatzung Thema der Recklinghäuser Kreissynode. Was soll vor Ort in den Gemeinden geschehen? Welche gemeinsamen Aufgaben sollen beim Kirchenkreis angesiedelt bleiben? Bei all diesen Fragen sei deutlich, dass der bisherige Kompromiss nicht mehr passe und ein neuer gefunden werden muss.

Es war die 6. Tagung der Kreissynode in der Legislaturperiode 2020 bis 2024. Superintendentin Karpenstein bedankte sich bei den Verantwortlichen und helfenden Händen in Oer-Erkenschwick, dass die Synode dort zu Gast sein durfte. Und es wird bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein. (uka)

 

Foto und Text: Ulrich Kamien