Schwerpunkte Finanzen und Klima

Kreissynode tagte in den Recklinghäuser Werkstätten

Teilnehmerinnen der Synode im Saal

Recklinghausen - Nach mehr als drei Jahren Pause tagte die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen wieder in den Recklinghäuser Werkstätten der Diakonie, um über die Schwerpunkte Finanzen und Klima zu beraten und entsprechende Beschlüsse zu fassen.

In ihrer Andacht zu Beginn der Kreissynode blickte Pfarrerin Daniela Kirschkowski (Marl) auf verschiedene Türen. Kirchen haben in der Regel große Türen, schwere Türen, manche modernen Gemeindezentren schon automatisch öffnende Türen. „Durch welche Tür würde Gott gehen wollen? An welcher Tür würde er klingeln?“, fragte Kirschkowski in die Synodalgemeinde. „Sind unsere Türen so einladend, dass er dort durchgehen würde?“ Die meisten Türen durchläuft man achtlos. Nur an wenige erinnert man sich, weil man damit etwas verbindet. Kirschkowski verwies auf eine Initiative der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unter dem Titel „Eine Tür ist genug.“ und schloss dazu mit einem kurzen Film.

Bei seinem ersten Grußwort auf der Kreissynode warb der neue katholische Propst Karl-Hermann Kemper für einen ökumenischen Schulterschluss in diesen herausfordernden Zeiten und lud dazu ein, sich gegenseitig zu stützen. Gebündeltes Wirken werde wahrgenommen und in der Zusammenarbeit könne viel Gutes entstehen. Kemper ermunterte die beiden großen Kirchen in der Stadt, die Sehnsucht nach Gott wach und lebendig zu halten. Eine gewisse Religiosität rufe Sehnsüchte wach, die aber nicht zu den größeren Kirchen führe. Hier müssten sich die Kirchen fragen, was für die Menschen dort nicht mehr zu finden sei und was Kirche für die Menschen tun könne. Es gebe viele gemeinsame Themen und er freue sich auf die gute und intensive Zusammenarbeit.

Recklinghausens Bürgermeister Christoph Tesche machte in seinem Grußwort deutlich, dass in allen Krisen der letzten Jahre und deren Auswirkungen der Mensch im Mittelpunkt von Kirchen und Stadtgesellschaft stehen müsse. Es gelte, diejenigen zu stärken, die Unterstützung bräuchten und dabei die anderen nicht aus dem Blick zu verlieren. Er wünsche sich, dass Kirchen und Kommunen gemeinsam Lösungen finden, damit es Freude macht, in dieser Stadtgesellschaft zu leben. Dies funktioniere nur, wenn achtsam miteinander umgegangen werde, Brücken gebaut und gemeinsame Wege gefunden werden.

Finanzen

In seinem Finanzbericht stellte Heinz Waschhof als Vorsitzender des kreiskirchlichen Finanzausschusses die finanzielle Entwicklung in der Landeskirche und im Kirchenkreis vor. Trotz vorsichtiger Finanzplanung sagt die Prognose für die nächsten Jahre aus, dass mit einem kontinuierlichen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen zu rechnen ist. Der Spardruck werde auf allen Ebenen unserer Kirche größer. Die meisten Gemeinden wie auch der Kirchenkreis haben für das neue Jahr einen negativen Haushaltsplan, der Auswirkungen auf die weitere Arbeit hat und das Ergreifen notwendiger Maßnahmen erfordere. Jede daraus resultierende Veränderung werde auch viel Trauerarbeit bedeuten, so Waschhof. Waschhof dankte der Verwaltung für ihre Arbeit und die Vorbereitung der Haushalte.

Die Kreissynode beschloss den Haushalt des Kirchenkreises sowie des Verbundes der Tageseinrichtungen für Kinder für das Haushaltsjahr 2023. Ebenfalls beschlossen wurde der Haushalt der kirchlichen Gemeinschaftsstiftung für Kirche und Diakonie „ernten und säen“.

Die Vorsitzende des Stiftungsrats Dr. Ulrike Preuß berichtete über die Entwicklung der Stiftung im vergangenen Jahr. Das Stiftungsvermögen konnte weiter gesteigert werden. Der Stiftungsrat hat beschlossen, die Erträge des Jahres 2022 aus dem allgemeinen Stiftungsvermögen im kommenden Jahr für Projekte zum Thema „Emotionale, spirituelle und körperliche Gesundheit in Kirche und Diakonie“ zu vergeben. Die derzeitigen Krisen führten bei vielen Menschen zu Unsicherheiten, Zweifeln und Ängsten. „Der Stiftungsrat will damit ein Zeichen setzen, dass wir auch in Krisenzeiten achtsam miteinander umgehen und auch auf uns selbst achten müssen“, so Preuß.

Kirchenkreis-Verband

Als Zwischenschritt zu einer künftigen Vereinigung bereiten die beiden Kirchenkreise Gladbeck-Bottrop-Dorsten und Recklinghausen die Gründung eines Kirchenkreis-Verbandes zum 1. Januar 2023 vor. Darin werden die gemeinsamen Aufgaben der Kirchenkreise wie die gemeinsame Verwaltung, das Schulreferat, die gemeinsame Pfarrstelle für gesellschaftliche Verantwortung sowie die gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit überführt. Ziel des Verbandes ist die intensive und verbindliche Zusammenarbeit zwischen beiden Kirchenkreisen. Eine Lenkungsgruppe und verschiedene Projektgruppen bereiten die Verbandsgründung intensiv vor. Superintendent Steffen Riesenberg aus dem Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten berichtete den Mitgliedern der Kreissynode über den Stand der Entwicklungen vor dem Verbandsstart zum Jahresbeginn 2023.

Kirche und Klima

Hans-Jürgen Hörner als Umweltbeauftragter des Kirchenkreises wies auf die aktuellen Entwicklungen zur Klimaneutralität 2040 hin. Die Landessynode hat dazu richtungsweisende Grundsatzbeschlüsse gefasst und entsprechende Empfehlungen verabschiedet. Zusätzlich wurde angesichts der aktuellen geopolitischen Energiekrise ein Sofortprogramm zur fachlichen und finanziellen Unterstützung der Kirchengemeinden in dieser schwierigen Situation beschlossen. Zudem hat die Landessynode auf ihrer Novembertagung ein Klimaschutzgesetz verabschiedet, das wichtige Rahmenbedingungen bietet.

All diese Beschlüsse, Empfehlungen und Förderprogramme sind so konzipiert, dass die Verantwortung für eine sachgerechte Umsetzung bei den Kirchenkreisen und Kirchengemeinden liegt. Unterstützung bietet das Klimabüro der Landeskirche. Alle Bereiche sind aufgefordert, aktiv am Kilmaschutz mitzuwirken.

Die Kreissynode hat den Kreissynodalvorstand beauftragt, kurzfristig einen Arbeitskreis einzusetzen, der konkrete Vorschläge für die Umsetzung der Bausteine des landeskirchlichen Klimaschutzprogramms für den Kirchenkreis Recklinghausen und der angeschlossenen Kirchengemeinden erarbeitet. Die ersten Ergebnisse sollen auf der Frühjahrssynode in 2023 vorgestellt werden. Aufgaben des Arbeitskreises sind die Benennung von Vorschlägen für die Verwendung der für Klimaschutz zweckgebundenen Kirchensteuerzuweisung von 4 % der Gesamtzuweisung im Kirchenkreis sowie die Organisation der Energieverbrauchsdaten-Erfassung aller kirchlichen Liegenschaften im Kirchenkreis.

Vestischer Appell

Diakoniepfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier und Pfarrer Dr. Hans Hubbertz vom Pfarramt für gesellschaftliche Verantwortung stellten der Kreissynode die Erneuerung des Vestischen Appels aus 2014 vor. Damals haben sich die beiden großen Kirchen zusammen mit dem DGB im Vestischen Appell für die Einführung es sozialen Arbeitsmarktes eingesetzt, der dann tatsächlich 2019 im Teilhabechancengesetz verankert und im Kreis Recklinghausen, in einer Region der verfestigten Landzeitarbeitslosigkeit, zu einem Erfolgsmodell geworden ist: Zwischenzeitlich entstanden über 1.000 echte Anstellungsverhältnisse für langjährig arbeitslose Menschen mit besonderen Vermittlungshemmnissen. Öffentliche, privatrechtliche und auch die freien Träger (hier auch die Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen) schufen öffentlich (teil-)finanzierte Jobs. Volkswirtschaftlich und sozialpolitisch machte sich buchstäblich bezahlt, dass Arbeit, nicht Arbeitslosigkeit finanziert wurde und wird.

Jetzt haben Landrat, DGB und die beiden großen Kirchen diesen Vestischen Appell erneuert; die Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege im Kreis Recklinghausen hat sich diesem Text angeschlossen. In dem Vestischen Appell 2022 wird von der Bundespolitik die Entfristung und dauerhafte Finanzierung des Sozialen Arbeitsmarktes gefordert.

Im neuen Bürgergeld ist geregelt, dass über den Bundeshaushalt zumindest für das Jahr 2023 die entsprechenden Maßnahmen weiterfinanziert sind. Die öffentliche Debatte um das Bürgerfeld war stark von einer Defizitperspektive auf die längst heterogene Gruppe der SGB-II-Empfängerinnen und -empfänger geprägt; vom Aspekt der sozialen Teilhabe und der Würde des Menschen her betrachtet sind bessere Qualifizierung, Arbeitsmarkt nähere Beschäftigung und langfristige Arbeitsmarktchancen die positiven Aspekte des neuen Bürgergeldes.

Text und Fotos: Ulrich Kamien (uka)