Kultur der Aufmerksamkeit zum Schutz vor sexualisierter Gewalt schaffen

Frank Knüfken neuer Präventionsbeauftragter

Foto v.r.n.l.: Frank Knüfken wird von Superintendentin Saskia Karpenstein und Diakoniepfarrer Dietmar Kehlbreier als Präventionsbeauftragter begrüßt 

 

Marl – Am letzten Freitag stellte Superintendentin Saskia Karpenstein den neuinstallierten Beauftragten für "Prävention - Schutz vor sexualisierter Gewalt" für den Ev. Kirchenkreis Recklinghausen vor. Mit Frank Knüfken wird sich in Zukunft ein alter Hase um die neue Stelle zum Schutz vor sexualisierter Gewalt kümmern. Der Diplom-Sozialpädagoge ist bereits seit dreißig Jahren im Kirchenkreis in verschiedenen Funktionen tätig. Mit dem Thema Gewalt beschäftigt er sich, seitdem er Sozialpädagogik studiert hat.  

Die Einrichtung der neuen Präventionsschutzstelle ist die erste Umsetzung des Kirchengesetzes, das 2019 von der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) verabschiedet und 2020 von der Ev. Landeskirche von Westfalen (EKvW) verpflichtend beschlossen wurde. Die Ausführungsverordnung folgte 2021. Die EKvW hat den Kirchenkreisen und Gemeinden eine dreijährige Übergangsfrist eingeräumt, das Kirchengesetz umzusetzen und verschiedene Formate zu etablieren.

Schutz vor Gewalt ist für den Kirchenkreis nicht neu. „Wir haben jetzt auch schon Menschen, die geschult in verschiedenen Arbeitsbereichen wie in Kitas oder bei Jugendfreizeiten tätig sind. Aber als Gesamtkonzept und von der Basis von Anfang an mitgedacht, das ist wirklich neu”, erklärt Superintendentin Karpenstein. Wie wichtig ihr das Thema ist, zeigt sich bei der sofortigen Umsetzung des Kirchengesetzes: “Wir wollten nicht bis 2023 warten, sondern haben schon jetzt Herrn Knüfken mit seiner neuen Aufgabe beauftragt.” Die Überlegung jemand von außen zu nehmen war schnell vom Tisch. Mit der Wahl zeigte sich die Superintendentin darum auch hochzufrieden: “Ich finde, Herr Knüffken bringt alles mit: Viel Feldkompetenz, weil er lange in dem Verein dabei ist, gleichzeitig in diesem pädagogischen Arbeitsfeld viele Facetten kennengelernt hat. Und sich durch seine Beratungstätigkeit immer einen Außenblick bewahrt hat.“ 

Die Einführung der Stelle ist ein erster Schritt und Teil eines Gesamtpaketes. Als vorrangige Aufgabe sieht der neue Präventionsbeauftragte die Erstellung und Erarbeitung eines Schutzkonzeptes. Dazu gehören Leitbilder, Risikoanalysen, Selbstverpflichtungserklärung der Mitarbeitenden (u.a. Einsicht in polizeiliche Führungszeugnisse), Interventionspläne und Teams für den Notfall, um bestmöglich für Opfer - auch im Verdachtsfall - zu sorgen und Beschwerdeverfahren zu erarbeiten. „Meine Arbeit hört nicht mit dem Schutzkonzept auf. Wir wollen eine Kultur der Aufmerksamkeit und der Achtsamkeit schaffen, wo hinschauen selbstverständlich ist“, betont Knüfken seinen nachhaltigen Ansatz. 

Der 58-jährige Knüfken sieht sich als Koordinator, der in Zusammenarbeit mit dem Jugendreferat und der Erwachsenenbildung viele Menschen im Kirchenkreis für das wichtige Thema sensibilisieren möchte. Dabei helfen sollen auch vier Multiplikator:innen, die auf Landesebene ausgebildet werden. Weiterhin strebt er eine gute Zusammenarbeit mit seiner Kollegin des Nachbarkirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten sowie dem Diakonischen Werk im Ev. Kirchenkreis Recklinghausen an.  

„Wir befassen uns mit dem Thema Gewalt schon seit Jahren”, sagt Diakoniepfarrer Dietmar Kehlbreier. Und führt weiter aus: „Gerade wo Menschen sich körperlich nah kommen, oder wo es Abhängigkeitsverhältnisse gibt zwischen erwachsenen Erzieher:innen und Schutzbefohlenen, müssen wir sensibel für das Thema sein.“ Entsprechende Gesetze wurden schon früh verfolgt und zum Beispiel ein Kinderrechtskatalog in verständlicher Sprache erstellt – gemeinsam mit den betroffenen Kindern. Darüber hinaus werden bei der Diakonie alle vier Beziehungen beleuchtet: Gewalt zwischen Mitarbeitenden, zwischen Klienten und Klienten, Mitarbeiter:innen und Klienten sowie Klienten und Mitarbeiter:innen. Gerade mit Blick auf den Arbeitsschutz ist der letztgenannte Konflikt zu beachten. „Es wird oftmals unterschätzt”, sagt Kehlbreier, „aber es können auch z.B. Altenheimbewohner:innen die Nähe und Selbstbestimmung zu einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter verletzten.” 

Für Pfarrer Kehlbreier ist es selbstverständlich, das neue Kirchengesetz in seinem Haus umzusetzen: „Weil das auch ein Anspruch an unsere Diakonie ist. Da zeigt sich, dass Diakonie ein kirchliches Unternehmen ist. Wir unterliegen also nicht nur den staatlichen Gesetzen, sondern auch dem Kirchengesetz, was sich in vielen Ansätzen deckt.“ 

Abschließend machte Frank Knüfken deutlich, dass es nicht darum geht zu ermitteln. „Dafür gibt es die polizeiliche Strafverfolgung. Uns geht es um Opferschutz. Und da muss man ganz genau mit den Opfern oder den Sorgeberechtigten gucken, was Opfer möchten. Wir wollen, wenn etwas vorfällt, seelsorgerisch begleiten, Hilfe anbieten, unterstützen.”
 

Für die Superintendentin ist ganz klar, sollte ein Fall von sexualisierter Gewalt vorkommen, dann wird es nicht folgenlos bleiben. „Wir werden begangenes Unrecht an der Stelle nicht wiedergutmachen können, aber vielleicht kann man Täter:innen zur Rechenschaft ziehen. Mein Wunsch wäre, dass Betroffene merken, es ist uns nicht egal, wenn sie uns das Vertrauen schenken und sich an uns wenden würden.”  

 

Text und Fotos: Jörg Eilts