Verleihung des Bundesverdienstkreuzes für Pfarrer i.R. Hartmut Dreier

Sein bewegtes Leben und sein vielfältiges Engagement

Foto Bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Lambertizimmer der Bezirksregierung Münster: (v.r.) Sharon Fehr, Regierungspräsidentin Dorothee Feller, Hartmut Dreier und Almuth Dreier. © Bezirksregierung Münster

 

Am 23.2.2022 wurde Pfarrer i.R. Hartmut Dreier das Bundesverdienstkreuz verliehen. Ein guter Anlass, auf sein bewegtes Leben und sein vielfältiges Engagement zu schauen: 

Hartmut Dreier wurde am 8.3.1938 in Rostock geboren. Seine Kindheit wurde deutlich von Kriegserfahrungen geprägt: die Familie wurde ausgebombt und verließ Rostock. Er wuchs dann im ländlichen Weserbergland auf, ging in Höxter zur Schule. Von 1957-1962 studierte Hartmut Dreier Ev. Theologie in Göttingen, Berlin, Heidelberg, Basel (bei Karl Barth) und in Münster, hier lernte er seine spätere Ehefrau Almuth kennen. Während des Vikariats u.a. in der ESG in Münster, gingen beide von 1963-1965 in die USA, erst nach New York, dann nach San Franzisko. Es waren die bewegten Zeiten der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther-King herum. In San Franzisko arbeitete Hartmut Dreier für ein ökumenisches Netzwerk der christlichen Kirchen  in neuartiger Gemeinwesenarbeit.  

Nach dem Vikariat arbeitete Hartmut Dreier in der Bundesgeschäftsstelle der Ev. Studierendengemeinden als Ökumene-Referent und wurde 1969 Studierendenpfarrer in Bochum. 1977 wurde er in der damaligen Kirchengemeinde Hüls zum Pfarrer, in der damaligen ESM gewählt, hier blieb er bis zu seinem Ruhestand 1999.  

Wie viele seiner Generation zeichnete ihn eine gewisse Widerständigkeit gegenüber nicht hinterfragbaren Autoritäten und Traditionen aus. Das führte auch zu neuen Wegen in der Gemeindearbeit und war eine Voraussetzung dafür, das gerade die türkischen Bergleute in Marl das Interesse von Hartmut Dreier weckten. Es kam zu Begegnungen, aus denen Freundschaften entstanden, es begann ein interreligiöser Dialog zu einem Zeitpunkt, als es dieses Wort so noch gar nicht gab. Zumindest in der Westfälischen Landeskirche, aber auch darüber hinaus gehört Hartmut Dreier zu den Pionieren des Christlich-Islamischen Dialogs – zusammen mit seiner Frau Almuth: das von ihr 1979 zusammen mit zwei Lehrerinnen gegründete Ev. Sozialseminar zur Integration mit Frauen und Kindern war ein erstes Ergebnis der Bemühungen um einen Dialog mit Muslimen (bis heute bestehen daraus zwei interkulturelle Frauengruppen). 5 Jahre später wurde die Christlich-Islamische Arbeitsgemeinschaft gegründet (CIAG, heute CIJAG, Christlich-Islamisch-Jüdische Arbeitsgemeinschaft). Hartmut Dreier war für den Kirchenkreis Recklinghausen Synodalbeauftragter für den Christlich-Islamischen Dialog und im Beirat der damaligen Beratungsstelle für Christlich-Islamischen Dialog der Landeskirche. 

Das Engagement im sozio-kulturellen Kontext ging aber weit darüber hinaus: seit 1969 ist Hartmut Dreier Mitherausgeber der kritischen Zeitschrift „Amos“ und seit langer Zeit Aufsichtsratsmitglied des Peter-Hammer-Verlages. Mit dem Ruhestand ging es dann in vielen Bereichen weiter: das Abrahamsfest wurde 2000 in Marl gegründet, Hartmut Dreier war dabei und ist es bis heute. Sein Engagement ist weiterhin vielfältig: für Bürgerinitiativen („Rettet den Jahnwald“), in der Kommunalpolitik. Auch die Erhaltung der Scharoun-Schule in Marl geht auf eine Initiative von Hartmut Dreier zurück.  

Die Stärke von Hartmut Dreier liegt auch in seiner Vernetzung mit vielen anderen engagierten Menschen. Angefangen bei seinem jüdischen Schulfreund, mit dem er bis heute verbunden ist, hat er Kontakte und freundschaftliche Beziehungen in viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Dazu kommt eine außergewöhnliche Beharrlichkeit, seine Projekte „durchzuziehen“, allerdings eben immer in der Kooperation und Gemeinschaft mit anderen und der Fähigkeit, nicht im Mittelpunkt stehen zu müssen. 

Wir gratulieren Hartmut Dreier zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. (Pfr. Roland Wanke)