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Texte zu Krieg und Frieden aus dem Evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen

Für viele von uns ist die bisherige evangelische Friedensethik ins Wanken gekommen. Anlässlich des Krieges in der Ukraine werden wir hier aus dem evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen Stellungnahmen, Äußerungen und Reflexionen oder Aufrufe zu Frieden, Verständigung und Solidarität veröffentlichen. Angesichts der erschreckenden Zerstörung, der Vertreibung und der Erfahrung des Todes im Zuge des militärischen Angriffs durch Russland auf die Ukraine wollen wir damit Anstöße zum Nachdenken, zur Kritik und zur Reflexion geben. Pazifistische Positionen sind im kirchlichen Raum neuerdings nicht mehr selbstverständlich. Mit der Lieferung von Waffen in Spannungsgebiete, wenn Deutschland und andere Staaten um diese Art der Hilfeleistung gebeten werden, geraten die bisher vertretenen Positionen in Verlegenheit. Damit wird die grundlegende Zerrissenheit unseres menschlichen Zusammenlebens sichtbar, die im Zusammenhang von geostrategischer Machtpolitik stets mit Fragen von existentieller Schuldverstrickungen einhergeht. In Zeiten solcher Spannungen halten wir es für wichtig, theologisch Voraussetzungen und Folgen dieses Wandels zu diskutieren und dafür Beiträge aus unserer Region zu liefern. Dabei sollen Fragen, Worte der Anklage und der Verzweiflung sowie Worte des Trostes zur Sprache kommen können, ebenso konkrete Aufrufe zur Hilfe und Unterstützung, nicht nur für die Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet der Ukraine.
 
Im vierzehntägigen Rhythmus publizieren wir für Sie, liebe Leserinnen und Leser, an dieser Stelle kurze Texte, mit denen unterschiedliche evangelische Positionen zu Krieg und Frieden zur Sprache gebracht werden.

Pfarrer Andreas Wilkens

Der HERR wird zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln.
Jesaja 2,4


Als friedensbewegter junger Mensch war es für mich als angehenden Theologen klar, dass ich 1983 in Bonn gegen den Nato-Doppelbeschluss demonstrierte. Die Spirale von Gewalt und Gegengewalt erzeugt keinen Frieden. Das war mein Credo. Allein das gemeinsame Gespräch und diplomatische Verhandlungen können zum Frieden führen. Und heute?
Heute fast 40 Jahre später werde ich gefragt: Wie siehst du eigentlich als Pfarrer die Bewaffnung der Ukraine? Und ich antworte doch tatsächlich: Von meiner Vernunft her unterstütze ich die Bewaffnung. Ich kann doch nicht sehenden Auges zusehen, wie einer nach dem anderen wehrlos umgebracht wird. Das Zaudern und Zögern der Regierungsparteien war für mich nur schwer erträglich. Und doch weiß ich von meiner Glaubensüberzeugung her: Dieser Weg der Gewalt führt ins Abseits, in den Tod. Christus hat doch gerade das Gebot der unbedingten Liebe vorgelebt. Allein dieser Weg wird Frieden bringen.
Ja, ich spüre, ich stecke in einem echten Dilemma. Und ich kann dieses Dilemma nicht auflösen. Und so bin ich froh, dass es dort bei Jesaja heißt: „Der Herr wird zurechtweisen...!“ Letztlich kann nur Gott den Frieden bringen. Ich kann immer nur wieder bitten und beten, dass er mich und auch die verantwortlichen Politiker und Machthaber zurechtweist, wie wir aus seinem kostbarem Land endlich fruchtbares Leben wachsen lassen können. Wozu sonst sollten Pflugschare und Sicheln benutzt werden?
Und so haben wir in Herten damit angefangen – bei aller Hilflosigkeit und Vorläufigkeit -, immerhin Menschen aus der Ukraine in unserer Gemeinde aufzunehmen und ihnen zur Seite zu stehen. Vielleicht haben wir ja schon einen kleinen Anklang von Gottes Weisung vernommen.


Andreas Wilkens, Pfarrer, Herten

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