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Herzlich willkommen beim Evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen!

Der Evangelische Kirchenkreis Recklinghausen ist mit seinen rund 98.000 Gemeindegliedern der drittgrößte in der Evangelischen Kirche von Westfalen. Auf einer Fläche von 500 Quadratkilometern verbinden sich die nördlichen Ausläufer des Ruhrgebiets und das südliche Münsterland - von Recklinghausen bis Haltern am See. Sieben der zehn Städte des Kreises Recklinghausen liegen innerhalb des Kirchenkreises, zu dem zehn Kirchengemeinden gehören.

Unsere 68 Pfarrerinnen und Pfarrer im Kirchenkreis sind vorwiegend in den Kirchengemeinden aktiv oder arbeiten als KreispfarrerInnen mit besonderen Schwerpunkten (Diakonie, Schulreferat, ...). Der Kirchenkreis wird von der Superintendentin Saskia Karpenstein geleitet.

Gedanken zur Jahreslosung 2023

„Du bist ein Gott, der mich sieht.“

Von Superintendentin Saskia Karpenstein

 

Wir sitzen und warten. Und warten. Und warten. Es dauert gefühlt ewig. Die Stimmung wird gereizt. Bilderbuch schon ausgelesen. Keine Bewegungsmöglichkeit oder Platz für ein Spiel. Vielleicht irgendwo ein Bildschirm, auf den ich schauen kann – verzweifelte Suche nach Wlan …

Szenen wie diese gab es reichlich als die Kinder klein waren. Warten bei der Ärztin, beim Elternsprechtag oder im Urlaubsstau. Langweilige Familienfeier, Anstehen an der Supermarktkasse. Bevor die Nerven für Eltern, Kinder und Umstehende komplett auf die Zerreißprobe gestellt wurden, wirkte bei uns erstaunlich oft ein simples Ritual. Ich sage nur: „Ich sehe was, was du nicht siehst.“

Nicht wirklich originell, total analog und doch extrem hilfreich. Der Fokus verschiebt sich in diesem Moment und positiver Kontakt entsteht, so jedenfalls meine Erfahrung. In diesem Augenblick nehmen wir unsere Umwelt mit anderen Sinnen wahr. Ich schaue neu hin auf das, was vorher zwar auch schon da war, aber so nicht von mir erfasst wurde. Details, Farben, Menschen oder Tiere. Ich wechsle zwischen Vordergrund und Hintergrund, wäge ab zwischen Bewegtem und Unbewegtem.

„Ich sehe was, was du nicht siehst.“ Ob sich die Menschen in der biblischen Erzeltern-Erzählung, aus der die diesjährige Jahreslosung stammt, auch so gefühlt haben (1. Mose 16)? Es ist eine patriarchale Patchworkfamilien-Situation, in die wir hineinkommen. Existenzen sind bedroht, Status und Zukunft in Frage gestellt. Das Ehepaar Sara und Abraham wartet schon lange vergeblich auf Kinder. In einer Welt, in der keine Nachkommen das Ende bedeuten, eine Katastrophe. In dieser Welt damals liegt für Sara die Lösung nah: die Magd Hagar kann doch den Nachkommen des Stammvaters gebären. Die Verbindung zwischen Hagar und Abraham kommt zustande und wird mit einer Schwangerschaft gekrönt. Über Abrahams Gefühle erfahren wird nichts, aber die Bibel berichtet von der (verständlichen) Eifersucht zwischen den Frauen. Die Kinderlosigkeit ist zwar für den Erzvater gelöst, die biologische Linie gerettet, aber nun stehen neue Probleme ins Haus.

Als Außenstehende schaue ich auf Nerven, die blank liegen. Ich werde hineingezogen und fühle mit. Auf wessen Seite bin ich, wer hat angefangen, wer soll gewinnen? Es steht viel auf dem Spiel – es geht um Leben und Tod, aus heutiger Sicht auch um Rollenerwartungen und Geschlechterbilder.

In diese Notsituation hinein zeigt sich Gott. Er greift nicht wirklich ins Geschehen ein, ändert nicht den Lauf der Welt. In Engelsgestalt spricht eine Stimme und sie gibt Hagar zwei ungewöhnliche Botschaften mit: Erstens, dass sie sich unterordnen und heimkehren soll. Zweitens, dass sie eine reiche Nachkommenschaft haben wird.

Ich hätte mir vielleicht eine „emanzipiertere“ Version für das Jahr 2023 gewünscht, aber im Kontext der biblischen Zeit fügt sich diese Botschaft befreiend und heilsam ein. Hagar wird bewahrt vor Verderben und Namenlosigkeit. Sie bekommt einen Platz in der göttlichen Heilsgeschichte. Der Gott Israels, der Gott von Abraham und Sara, hat Hagar in ihrer Not gehört und gesehen. So spricht Hagar selbst es aus: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ (Gen 16,13).

Es ist ein Sehen und Wahrnehmen in zwei Richtungen: Gott hat Hagar in den Blick genommen und umgekehrt. Was ist das größere Wunder? Oder sind es zwei Seiten und stehen sie in Wechselwirkung?
Gesehen werden und dadurch gerettet sein. Die kurze Jahreslosung beinhaltet die Quintessenz einer Rettungsgeschichte, in welcher der unfassbare Gott selbst in Erscheinung tritt.

Etwas anders als in der Luther-Übersetzung klingt es in der Basisbibel so: „Hier habe ich den gesehen, der nach mir sieht.“ Ein Gott, der mich sieht. „Ich sehe was, was du nicht siehst.“
Manchmal werde ich übersehen, fühle mich ungerecht behandelt und erfahre vielleicht tatsächlich Leid. Gott sieht mich und hört meine Not. O wie sehr wünschte ich mir, dass stets ein Engel und eine Frohe-Botschaft-Stimme kämen und das „Fürchte-dich-nicht“ bis ins Herz dringt. Manchmal geschieht so ein Wunder. Warum es manchmal ausbleibt, frage ich mich aber auch. Ich ringe darum, dass ich daran festhalte mit einem trotzigen Dennoch: Ja, mein Gott sieht mich. Und Dich.

Ich glaube daran, dass Gott da ist. Damals, heute, in Ewigkeit. Verwoben in der Geschichte und in Lebensgeschichten. Nicht immer sehe ich es und kann die Stimme Gottes nicht hören. Manchmal auch eine Frage von Wahrnehmung, Einstellung oder Haltung. Wie beim Spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Vieles ist da, nur nicht in meinem Blick.

So wünsche ich Ihnen ein gesegnetes und behütetes neues Jahr 2023.
„Du bist ein Gott, der mich sieht.“

 

Ihre Saskia Karpenstein
Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen


Foto: Jörg Eilts

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