Film und Gespräch im Rahmen der Fairen Woche 2026

Film und Gespräch im Rahmen der Fairen Woche 2026

Film und Gespräch im Rahmen der Fairen Woche 2026

# Neuigkeiten

Film und Gespräch im Rahmen der Fairen Woche 2026

Frisches Obst und Gemüse das ganze Jahr über sind für uns selbstverständlich geworden. Die negativen Folgen für die Umwelt sind inzwischen in breiten Kreisen der Gesellschaft bekannt. Weit weniger bekannt ist, wer das Obst und Gemüse erntet - und unter welchen Bedingungen diese Menschen leben und arbeiten. 

Diesem Thema widmete sich eine Filmveranstaltung im Rahmen der Fairen Woche 2026, organisiert von der Ev. Kirchengemeinde Oer-Erkenschwick und dem Ökumene-Ausschuss des Kirchenkreis Recklinghausen in Kooperation mit der Ev. Erwachsenenbildung Recklinghausen. 

Gezeigt wurde die Kinodokumentation THE PICKERS (2024, Länge: 80 Min.), welche die Spuren unserer Orangen, Oliven, Erdbeeren oder Blaubeeren verfolgt bis zu den Menschen, die sie ernten: In Süditalien pflückt Seydou aus Mali Orangen. Als Tagelöhner ohne Vertrag wird er pro Kiste bezahlt. Er lebt in einer selbstgebauten Hütte, in einer Siedlung ohne Wasser und Strom. Blaubeeren in Portugal, Oliven in Griechenland, Erdbeeren in Spanien – mehr als zwei Millionen Migrant:innen arbeiten derzeit auf europäischen Feldern, viele von ihnen ohne Vertrag oder Mindestlohn, einige ohne Aufenthaltspapiere oder mit hohen Schulden bei Vermittlern. Aufsehen erregten auch die furchtbaren Nachrichten aus Italien in diesem Sommer, von dem Mord an vier Erntehelfern aus Pakistan und Afghanistan, die auf das Auszahlen ihrer Löhne bestanden hatten, und in einem Auto verbrannt wurden – die Täter mutmaßlich Arbeitsvermittler aus dem Umfeld der Mafia. 

Nach dem Film kamen die Besucher*innen des Abends ins Gespräch mit Markus Heißler, Regional- und Fachreferent für entwicklungspolitische Bildungsarbeit. Moderiert wurde die Veranstaltung von Julia Borries, Bildungsreferentin des Ev. Kirchenkreises. Gemeinsam wurde über Möglichkeiten gesprochen, wie und ob wir mit unserem Konsum einen Einfluss auf die Situation nehmen können: „Eigentlich ist es Aufgabe der staatlichen Akteur*innen, dass wir Produkte kaufen, die gesund und fair geerntet sind. Es ist wichtig, auf diese weiterhin Druck auszuüben - mit Leserbriefen, Petitionen, oder auch in Gesprächen mit Händlern. Aber auch als Konsument*innen haben wir Verantwortung und Einfluss. Eine Faustformel für nachhaltigen Konsum bei Lebensmitteln: Kaufe saisonal, regional – und weitergehend: fair und biologisch.“

Weitere Möglichkeiten, die Markus Heißler aufzeigte, sind, Mitglied bei einer Solawi zu werden, eine Abokiste beim Bauern zu bestellen, oder Mitglied bei Crowdfarming zu werden. Die im Film gezeigte Initiative SOS Rosarno exportiert fair geerntete Orangen auch nach Deutschland. Faires und zudem sehr gutes Olivenöl lässt sich z.B. auch über SolidariTrade beziehen. 

Außerdem erfuhren die Teilnehmenden des Abenfs weitere Aspekte über fairen bzw. unfairen Handel. So z.B., dass die vier deutschen Supermarktketten Edeka (mit Netto), die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland, Rewe (mit Penny ß) und Aldi (Nord und Süd) sich mittlerweile 87% des Marktes untereinander aufteilen. Mit ihrer Marktmacht setzen sie ihre Lieferanten stark unter Druck. Der resultierende Preisdruck setzt sich entlang der Lieferkette fort und schmälert das Einkommen von Bäuer*innen ebenso wie die Löhne von Landarbeiter*innen. 

Weitere Gründe für die schwierige Lage der Menschen in der Ernte sind die immer restriktiveren Regeln in der Arbeitsmigration. So ist es ein Paradoxon: die EU braucht die Arbeitskräfte, aber macht es den Menschen quasi unmöglich, legal einzureisen – mit der Folge, dass viele Menschen illegal in die EU reisen. Gerade Menschen ohne Papiere zögern, ihre Rechte einzufordern, die sie eigentlich haben. Markus Heißler berichtete zudem über die Situation von saisonalen Arbeitskräften auch in Deutschland. Auch hier ist die Lage alles andere als rosig, wenn man z.B. an die vielen Fachkräfte in der Landwirtschaft, aber auch vermehr in der Pflege denkt. Auch hier zeigt sich an den Löhnen, Unterkünften und auch dem fehlenden Arbeits- und Sozialschutz, dass auf Kosten anderer Menschen Profit gemacht wird. 

Bildungsreferentin Julia Borries: „Auch wenn wir sicher nicht das ganze System ändern können, so ist jeder kleine Schritt richtig und wichtig, jede Initiative, die unterstützt wird, ein Zeichen für ein faires und gerechtes Miteinander – und je mehr wir wissen, so mehr können wir auch bewusst Entscheidungen fällen, z.B. ob es immer das Billigste vom Billigen sein muss, oder ob die Erdbeeren im Winter jetzt wirklich sein müssen. Und sich auch mal zu fragen, wie wir eigentlich Menschen begegnen, die in der Ernte, im Kurierdienst, in der Pflege, im Lieferdienst tätig sind – respektvoll?“

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Fairen Woche statt. Dazu Angelika Roth, Mitveranstalterin und Diakonin in der Kirchengemeinde Oer-Erkenschwick: „Fairer Handel ist wichtiger denn je. Aufgrund der klimatischen Veränderungen und den vielen politischen Krisen, stehen viele Menschen, deren Rechte sowieso eingeschränkt sind, noch mehr unter dem Druck. Mit unseren Veranstaltungen im Rahmen der Fairen Woche haben wir ein wichtiges Zeichen gesetzt und Möglichkeiten aufgezeigt“.  Mehr Infos HIER.

Dies könnte Sie auch interessieren

0
Feed

Evangelischer Kirchenkreis Recklinghausen        Limperstraße 15 45657 Recklinghausen

Fon: 02361 206-0        info-kkre@ekvw.de