15/09/2026 0 Kommentare
Gemeinsam für Demokratie und Nächstenliebe - Montagsandacht in der Christuskirche
Gemeinsam für Demokratie und Nächstenliebe - Montagsandacht in der Christuskirche
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Gemeinsam für Demokratie und Nächstenliebe - Montagsandacht in der Christuskirche
Foto: Diakonie-Geschäftsführer Dr. Dietmar Kehlbreier, Superintendentin Saskia Karpenstein und Pfarrer Dirk Schürmann, Altstadtgemeinde Recklinghausen, zeigten sich hocherfreut über die positive Resonanz zur Montagsandacht in der Christuskirche.
Recklinghausen - Angst ist ein schlechter Ratgeber, auch wenn das Wahlergebnis von Sachsen-Anhalt vielen Menschen Angst macht. Die Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen hatte deshalb am Tag danach zu einer Montagsandacht eingeladen – gegen die Angst, zur gegenseitigen Stärkung in schwierigen Zeiten – nicht nur, aber auch für die Demokratie.
Weit über 150 Menschen kamen in die Recklinghäuser Christuskirche, wo Diakonie-Geschäftsführer Dr. Dietmar Kehlbreier auf die Unvereinbarkeit der christlichen Botschaft mit einem völkisch-nationalistischen Menschenbild verwies, das Personengruppen ab- und ausgrenze. „Diese prinzipielle Gleichrangigkeit von Menschen ist christlicherseits nicht verhandelbar.“ Er berichtete aus dem Arbeitsalltag der Diakonie – Situationen, die nachdenklich, aber auch mutig machen.
Und warum „Montagsandacht“? Als die Repressionen durch die DDR-Regierung immer schlimmer wurden und die Unzufriedenheit der Bürger*innen zunahm, stellten die Kirchen dort Räume zur Verfügung, an denen Menschen sich angstfrei austauschen konnten, unabhängig davon, ob sie einen Draht zur Kirche hatten. Die sogenannten Montagsgebete waren geboren. Die Situation heute ist eine andere. Aber Wachsamkeit bleibt wichtiger denn je, auch Mut, sich immer wieder dem Gespräch mit Andersdenkenden und –handelnden zu stellen.
Abschließend betete Kehlbreier, unterstützt von Superintendentin Saskia Karpenstein und Pfarrer Dirk Schürmann, für respektvolle Begegnungen, den Abbau von Vorurteilen und die Würde jedes Einzelnen. Für Menschen, die Hass und Ausgrenzung erleben, für die, die ihnen zur Seite stehen, für Brückenbauer und Verantwortliche in Politik und Gesellschaft, für Medien- und Kunstschaffende und den Zusammenhalt über Parteizugehörigkeiten und Weltanschauungen hinweg.
Verschiedene Vertreter aus dem Kreis Recklinghausen schlossen sich mit Redebeiträgen an. Bürgermeister Axel Tschersich räumte ein, dass das Motto der Andacht – „Wir müssen reden“ – in der letzten Zeit etwas zu kurz gekommen sei. Er erinnerte sich an die Erzählungen seiner Großmutter aus den 1930er Jahren. „Geschichte wiederholt sich nicht, aber es gibt erschreckende Parallelen.“ Tschersich berichtete von Mitarbeitenden, die gefragt haben, ob sie als städtische Angestellte überhaupt zu dieser Andacht gehen dürften Und andere, die ihm gesagt hätten: „Was willst Du da reden? Der Zug rollt doch längst“. Dies und anderes erzeuge in ihm eine „Mischung aus Wut und Angst, obwohl ich sonst eher leichtfüßig durch’s Leben gehe“.
Superintendentin Saskia Karpenstein betonte die Wichtigkeit, zwischen Programmatik und Menschen zu unterscheiden. „Was die AfD in ihrem Parteiprogramm fordert, können wir als Kirche nicht unterstützen. Aber wir müssen mit den Menschen, die sie wählen, im Gespräch und Kontakt bleiben“. Zwei Worte gab sie an die Gemeinde weiter: Nicht ohnmächtig, nicht allmächtig, sondern „teilmächtig sind wir“. Und das zweite Wort: Wir brauchen mehr „Demutkratie“.
Mark Rosendahl vom Deutschen Gewerkschaftsbund beschrieb Demokratie als eine höchstanspruchsvolle Angelegenheit. „Wir haben gleiche Rechte, gleiche Pflichten, aber auch gleiche Verantwortung. Nur wenn wir solidarisch zusammenstehen, haben wir eine Chance, die Demokratie zu erhalten.“
Die stellvertretende Landrätin Elvira Aulich ermutigte die Zuhörenden, indem sie den Fokus auf die Demokratie-Demonstrationen in Recklinghausen lenkte: „Unsere demokratische Mitte ist vielfältig und stark“.
Hausherr und Gemeindepfarrer Dirk Schürmann war vor der Andacht gefragt worden, warum Kirche den Raum für so eine Veranstaltung zur Verfügung stelle und sich nicht aus Politik raushalte. Seine Antwort: „Kirche ist nicht neutral. Wir sind parteiisch für Menschen, die unsere Unterstützung brauchen.“ Auch Besucher*innen der Andacht meldeten sich zu Wort. Demokratie und Nächstenliebe gehen alle an. (kaj)
Foto: Jörg Eilts
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