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Texte zu Krieg und Frieden aus dem Evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen

Für viele von uns ist die bisherige evangelische Friedensethik ins Wanken gekommen. Anlässlich des Krieges in der Ukraine werden wir hier aus dem evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen Stellungnahmen, Äußerungen und Reflexionen oder Aufrufe zu Frieden, Verständigung und Solidarität veröffentlichen. Angesichts der erschreckenden Zerstörung, der Vertreibung und der Erfahrung des Todes im Zuge des militärischen Angriffs durch Russland auf die Ukraine wollen wir damit Anstöße zum Nachdenken, zur Kritik und zur Reflexion geben. Pazifistische Positionen sind im kirchlichen Raum neuerdings nicht mehr selbstverständlich. Mit der Lieferung von Waffen in Spannungsgebiete, wenn Deutschland und andere Staaten um diese Art der Hilfeleistung gebeten werden, geraten die bisher vertretenen Positionen in Verlegenheit. Damit wird die grundlegende Zerrissenheit unseres menschlichen Zusammenlebens sichtbar, die im Zusammenhang von geostrategischer Machtpolitik stets mit Fragen von existentieller Schuldverstrickungen einhergeht. In Zeiten solcher Spannungen halten wir es für wichtig, theologisch Voraussetzungen und Folgen dieses Wandels zu diskutieren und dafür Beiträge aus unserer Region zu liefern. Dabei sollen Fragen, Worte der Anklage und der Verzweiflung sowie Worte des Trostes zur Sprache kommen können, ebenso konkrete Aufrufe zur Hilfe und Unterstützung, nicht nur für die Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet der Ukraine.

Wir publizieren für Sie, liebe Leserinnen und Leser, an dieser Stelle kurze Texte, mit denen unterschiedliche evangelische Positionen zu Krieg und Frieden zur Sprache gebracht werden.

Andacht – Superintendentin Saskia Karpenstein

Superintendentin Saskia Karpenstein


Wir feiern Andacht im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir feiern Andacht im Angesicht vielfältiger Katastrophen. Corona kaum überstanden. Der Krieg in der Ukraine macht uns angst und bange und lässt Menschen ihre Heimat oder gar ihr Leben verlieren. Trotzdem und gerade deshalb feiern wir Andacht in dem Vertrauen auf die Wirklichkeit Gottes. Wirklichkeit Gottes – das klingt nach Himmel und Trost, nach Weite und Zukunft. Und ich möchte wissen, wie Gottes Welt und wir Menschen Welt in Kontakt kommen können.

Manche sagen, dass Gottes Welt, überhaupt der Gedanke an Gott, zu schön, zu naiv ist, um wahr sein zu können. Bloß ein Traum.

I have a dream.

Ein Satz, der mehr sagt als lange Worte oder Vorträge. Der es in mir klingeln lässt und Assoziationen hervorruft. Wir sehen Martin Luther King, haben den Klang seiner Stimme vielleicht im Ohr. Mit seiner Vision, seinem Kampf hat er bewegt und geprägt. Und Ja, er hat dafür mit dem Leben bezahlt. Es erinnert mich an das Leben und Sterben von Jesus Christus. Seine Worte vom Anbruch des Reiches Gottes mitten unter uns haben eine unvorstellbare Kraft entwickelt. Haben sich ausgebreitet von Mensch zu Mensch und Hoffnung gebracht. Jesus hat zugehört, geheilt und gesegnet. Bei ihm war die Fülle und eine tiefe Liebe zu finden. Er war ein Mann der klaren

Worte und hat Konflikte nicht gescheut.

Immer wieder hat Jesus in Gleichnissen gesprochen und starke Bildworte genutzt. Er hat eine Wirklichkeit gezeichnet, die noch unsichtbar und im Werden ist. Zum Beispiel wie ein Samenkorn, das in die Erde gelegt werden wird, um einmal ein großer Baum zu werden. Ich bin überzeugt, dass Träume unendlich kraftvoll sind. Nicht im Sinne einer psychoanalytischen Deutung des Unbewussten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es Träume gibt, die gemeinschaftlich geteilt und entwickelt werden können. Im Sinne eines Social Dreamings in einem Gruppensetting, wie es Gordon Lawrence entwickelt hat. Lasst uns unsere Träume teilen, sie nicht direkt bewerten und verwerfen. Den Traum von der Freiheit festhalten und ihm Raum geben. Den Traum vom Frieden in Liedern und Gebeten beschwören. Kreativität und Vielfalt zulassen. Wer träumen will, wird mutig sein müssen. Angesichts von Waffenlieferungen und Bomben. Angesichts von steigenden Energiepreisen und fehlendem Getreide.


Wenn ich nur von meiner Vorstellungskraft und meiner Sicht auf die Realität ausgehe – wohin wird das anderes führen als in die Resignation? Nein, ich weiß es nicht, wie der Krieg in der Ukraine oder der Hunger in der Welt oder der Klimakollaps zu beenden ist. Aber ich weiß und träume davon, dass wir gemeinsam eine Chance haben. Gegen die Zeichen der Zeit. Auch mit Blick auf die Zukunft von Kirche. Wir in unseren Gemeinden sind erwachsen aus dem kleinen Samen des Wortes Gottes, das Gott gelegt hat und von dem Jesus gesprochen hat. Auch dies hat angefangen mit einer Idee, einem Gedanken, einem Traum. Ich versuche meinen Teil beizutragen, mag er auch klein sein.

Wie wäre es denn, wir glaubten, dass der aus dem Samen erwachsene Baum namens „Wirklichkeit-Gottes“ seine Wurzeln immer noch in dieser Welt hat und wächst? Was hieße es denn, wenn auch zu unseren Zeiten ein Wunder geschähe nach dem Motto: I have a dream. So träume ich weiter und verbünde mich mit allen, die guten Willens sind. Ich lasse die Tür für die Wirklichkeit Gottes offen. Ich rechne mit dem Ende des Krieges, sehne den Frieden herbei und widerspreche bis dahin allen, die mich nur für eine Träumerin halten.

AMEN.

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